Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ausgefallene Staatsanleihen eines zahlungsunfähigen Landes nicht als normale, notenbankfähige Sicherheiten akzeptieren. "Das ist inakzeptabel für uns", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet der Financial Times Deutschland. Eine solche spezielle Regel etwa für Anleihen aus Griechenland oder Portugal würde nach Trichets Auffassung die Fähigkeit der Zentralbank einschränken, "als Vertrauens- und Stabilitätsanker zu fungieren".

Sollte ein Zahlungsausfall eintreten, wovon die EZB aber nicht ausgehe, müssten die Regierungen selbst einspringen und "dafür sorgen, dass dem Euro-System Sicherheiten bereitgestellt werden, die es akzeptieren kann". Darüber hinaus forderte Trichet "dringend" eine verbesserte "verbale Disziplin" der europäischen Regierungen: Sie müssten in der komplexen und sensiblen Krise mit einer Stimme sprechen. Dies sei auch 2008 nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers möglich gewesen.

Die gegenwärtige Schuldenkrise in einigen europäischen Ländern ändere nichts daran, dass der Euro "eine sehr glaubwürdige Währung" sei, sagte der 68-jährige Franzose, dessen Mandat an der Spitze der EZB turnusgemäß am 31. Oktober endet. Es gebe derzeit allerdings ernst zu nehmende Probleme, "die mit schlechten Staatsfinanzen und in der Folge mit Finanzstabilität zu tun haben". Die EZB habe die verantwortlichen Regierungen "unmissverständlich und mit allen Mitteln" gewarnt.

Trichet äußerte sich ablehnend zur möglichen Fusion nationaler Staatsanleihen zu Euro-Bonds: "Der EZB-Rat hat sich die verschiedenen Vorschläge angesehen. Zurzeit unterstützt er sie nicht." Vielmehr gelte es, die Haushaltspolitik der Euro-Länder besser zu überwachen: Hier sei ein "Quantensprung" nötig. Insgesamt gesehen könnten die Europäer die momentane Situation "selbstverständlich" meistern: "Hier geht es nicht um technische Fragen, sondern um Willen und Entschlossenheit."