Die Ermittlungen zum Abhörskandal um die britische Boulevardzeitung News of the World des Medienunternehmers Rupert Murdoch weiten sich auf Zeitungen anderer Verlage aus. Die Polizei habe bereits vor einiger Zeit prüfen lassen, welche Zeitungen im Jahr 2006 Privatdetektive beauftragt haben, erklärte der britische Datenschutzbeauftragte. Demnach fragte die Tageszeitung Daily Mail mit 952 Mal am häufigsten Privatdetektive an. Die inzwischen eingestellte News of the World lag mit 228 Anfragen auf dem fünften Platz. Die Untersuchung ist der Polizei laut dem Datenschutzbeauftragten bereits vor drei Monaten übergeben worden.

Der liberale Vize-Premierminister Nick Clegg schlug eine komplette Aufklärung der Verbindungen zwischen Politik und Medien vor. "Dies ist eine in dieser Generation einmalige Chance, die trüben Praktiken und die zwielichtigen Beziehungen richtig aufzuklären, die im Herzen des britischen Systems zwischen Presse, Politik und Polizei Wurzeln geschlagen haben", sagte Clegg in London. Er sprach sich für ein neues System der Medienregulierung aus.

Zugleich verteidigte Clegg seinen Koalitionspartner und Premierminister David Cameron: Dieser habe "kategorisch" versichert, dass es keine "unangemessenen Diskussionen" zum Übernahmeangebot des Bezahlsenders BSkyB durch Murdoch gegeben habe. In der Parlamentsdebatte hatte Cameron auf mehrere Nachfragen der Opposition keine eindeutige Antwort darauf gegeben, ob er mit Managern des Murdoch-Konzerns über die umstrittene Komplettübernahme von BSkyB gesprochen hatte.

Cameron wird vorgeworfen, nicht die nötige Distanz zu Murdoch gehalten zu haben. Am Mittwoch hatte er im Unterhaus zu den Vorwürfen Stellung genommen. Er verteidigte sein und das Verhalten seiner Mitarbeiter als "vollkommen richtig". Insbesondere wird Cameron vorgehalten, den früheren Chefredakteur der News of the World, Andy Coulson, als Pressesprecher beschäftigt zu haben, obwohl dieser im Verdacht stand, die Abhöraktion in Auftrag gegeben zu haben.