Die deutsche Finanzwirtschaft beteiligt sich in geringerem Umfang als bisher berichtet am Rettungspaket für Griechenland. Das geht aus einer Berechnung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hervor. Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, der Beitrag der deutschen Banken und Versicherungen werde voraussichtlich bei insgesamt 3,2 Milliarden Euro liegen. Davon sollen die staatlichen Abwicklungsbanken der HRE und WestLB 1,2 Milliarden Euro übernehmen. Die restlichen zwei Milliarden steuern private Institute bei, indem sie Griechenland-Anleihen, die bis 2014 auslaufen, in neue Griechenland-Anleihen umtauschen.

"Wir sind überzeugt, dass Griechenland weiter geholfen werden muss mit Mitteln", hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in der vergangenen Woche gesagt. Er nannte den Beitrag der deutschen Finanzwirtschaft "substanziell". Die FAS bezweifelt das. Zwar stehen die Details der Bankenbeteiligung noch nicht fest. Doch geplant ist, dass die zwei Milliarden Euro nur zu 70 Prozent in neue Papiere investiert werden. Den Rest behalten die Banken als Bar-Reserve. Das entspricht dem von Frankreich vorgeschlagenen Modell.

20 Prozent der zwei Milliarden muss Griechenland in sehr sichere Anleihen investieren, zum Beispiel in jene des Europäischen Rettungsfonds. Die Griechen haben dadurch ein Sicherheitspolster, das die Wahrscheinlichkeit erhöhen soll, dass sie ihre Schulden künftig zurückzahlen. Die Banken aber kaufen in Wahrheit nur für eine Milliarde neue griechische Anleihen, nicht für zwei Milliarden. Eine ähnliche Berechnung hatte in der vergangenen Woche schon Egghat's Not So Micro Blog angestellt. 

Blogger wie FAS kritisieren, dass die Banken für die neuen Anleihen Zinsen von 5,5 Prozent plus einen Zuschlag in Höhe des griechischen Wirtschaftswachstums erhalten sollen. Das sei deutlich mehr, als für die bald auslaufenden Anleihen gezahlt werde. Aus der vermeintlichen Beteiligung der Gläubiger werde so ein gutes Geschäft. Die Zeitung geht noch einen Schritt weiter. Für aktuelle Griechenland-Anleihen werde am Markt nur noch rund 74,7 Prozent ihres Ursprungswertes gezahlt, schreibt das Blatt. Der Gegenwartswert der neuen Papiere könne, je nach der Entwicklung der griechischen Wirtschaft und der Höhe der gezahlten Zinsen, deutlich höher sein. Analysten der Deutschen Bank hätten dies als "Anreiz dafür, dass viele Investoren an dem Modell teilnehmen werden" bezeichnet.

"Der Steuerzahler bewahrt also durch die Griechen-Rettung die Banken vor Verlusten", folgert die FAS. "Dafür bekommt er wenig zurück. Das einzige Zugeständnis, das die Banken sich nun leisten, ist, dass sie Verluste, die jetzt schon da sind, auch in ihre Bücher schreiben."

Das stimmt jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Denn wenn die Geldhäuser ihre aktuellen Anleihen bis zum Ende der Laufzeit hielten und Griechenland bis dahin nicht zahlungsunfähig würde, bekämen die Banken und Versicherungen 100 Prozent des Nennwerts zurück. Im Vergleich dazu seien 85 Prozent durchaus als Beteiligung der Gläubiger zu werten, schreibt das Blog Chefökonom der Financial Times Deutschland.

André Kühnlenz, ein Autor des Chefökonomen, kommt zu dem Schluss, dass der Gegenwartswert der alten Griechenland-Anleihen durch die Umschuldung noch höher liegt als von der FAS angenommen, nämlich bei 85 bis 148 Prozent. "Ein feines Geschäft für die Geldhäuser." Die 85 Prozent Gegenwartswert entsprechen seinen Berechnungen zufolge einem Schuldenschnitt im Jahr 2014 um 60 Prozent. Gebe es keinen Schuldenschnitt und wachse die griechische Wirtschaft jährlich um 2,5 Prozent, ergebe sich ein Gegenwartswert von 148 Prozent.

Das ist aus seiner Sicht aber relativ unwahrscheinlich. Denn ohne Schuldenschnitt, "müssten die Griechen aber maximal 10 Prozent Zinsen den Banken zahlen. (...) Das macht es den Griechen wiederum keinen Deut leichter, die Schuldenlast zu reduzieren. Es würde eher für einen Schuldenschnitt sprechen."

Unterdessen hat die SPD Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorgeworfen, im Zusammenhang mit der Gläubigerbeteiligung den Bundestag brüskiert zu haben. Das berichtete die Online-Ausgabe des Handelsblatt am Montag. Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, kritisierte auch "die Nutzung der Abwicklungsanstalten für politische Zwecke. Um die mickrige Beteiligung der deutschen Banken aufzupeppen, zwingt der Bundesfinanzminister die Abwicklungsanstalt der im alleinigen Eigentum des Bundes stehenden HRE, sich mit zusätzlichen Krediten an dieser freiwilligen Aktion zu beteiligen." Das Parlament werde mit diesem zusätzlichen Kredit, für den der Bund am Ende hafte, umgangen.