Die Euro-Staaten wollen ein neues Hilfspaket für Griechenland auflegen und das Land damit zum zweiten Mal in der Krise stützen. Die Rettungsaktion dürfte nach Angaben von Diplomaten die ursprünglich angepeilten 120 Milliarden Euro noch überschreiten.

In den Verhandlungen läuft alles auf einen fundamentalen Strategiewechsel hinaus: Die Währungsunion könnte es nun doch auf einen teilweisen Zahlungsausfall des Landes ankommen lassen. Es gelte nicht mehr als Tabu, wenn Griechenland für zahlungsunfähig erklärt werde, hieß es unter Diplomaten. Der Schritt eröffnet die Möglichkeit, Griechenland langfristig von einem Teil seiner Schulden zu befreien. Er bringt jedoch das Risiko neuer Turbulenzen an den Finanzmärkten mit sich und wurde bislang insbesondere von der Europäischen Zentralbank abgelehnt.

Die Euro-Länder wollen Griechenland mit einer Kombination aus der Verlängerung von Laufzeiten und niedrigeren Zinsen für seine Hilfskredite unterstützen. Der Privatsektor soll ebenfalls beteiligt werden. Zugleich sieht ein Entwurf für die Schlusserklärung des Gipfels eine erhebliche Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten des Euro-Rettungsschirms EFSF vor. 

Für die Beteiligung des Privatsektors an neuen Hilfen für Griechenland werden in dem Entwurf drei Optionen genannt: der Rückkauf von Anleihen, die Laufzeitverlängerung sowie der Anleihentausch. Unklar blieb zunächst, ob am Ende eine Einigung auf nur ein Modell für die Beteiligung des Privatsektors geplant ist. Dem Gipfel lag ein Vorschlag der internationalen Bankenlobby IIF vor, nach dem die privaten Gläubiger über einen Schuldentausch bis 2014 unterm Strich 17 Milliarden Euro zur Finanzierung Griechenlands beitragen würden.

Finanzmärkte reagieren erleichtert

In dem Entwurf ist von einer Verlängerung der Laufzeit für die EFSF-Kredite von 7,5 Jahren auf mindestens 15 Jahre die Rede. Als Zinssatz für die Kredite an Griechenland werden rund 3,5 Prozent genannt, bislang waren es 4,5 Prozent. Darüber hinaus soll der Rettungsfonds künftig nicht mehr nur in akuten Krisen helfen, sondern auch vorbeugend tätig werden können.

Der Fonds soll die Kapitalbasis von Finanzinstitutionen durch Kredite an Regierungen stärken können. Die Schulden-Länder könnten mit dem Geld eigene Anleihen zurückkaufen und so die Banken entlasten. Auch soll der Fonds künftig auf dem Sekundärmarkt selbst tätig werden, also Anleihen kaufen können. Dabei könnten ausstehende Anleihen Griechenlands mit Geldern des EFSF zurückgekauft werden, und zwar zu einem Kurs nahe dem aktuellen – niedrigen – Marktpreis.

Die Finanzmärkte reagierten erleichtert auf den Entwurf zur Schlusserklärung des Gipfels. "In Sachen Griechenland passiert endlich etwas. Das wird positiv aufgenommen", sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Der Dax drehte ins Plus, der Euro legte fast einen US-Cent auf 1,42 Dollar zu.

Insgesamt braucht Griechenland bis 2014 rund 115 Milliarden Euro. Die Euro-Zone und der Internationale Währungsfonds müssten 71 Milliarden Euro für das zweite Hilfspaket für Griechenland aufbringen. Zudem wären 25 Milliarden Euro erforderlich, um die griechischen Banken zu rekapitalisieren. Denn der Plan würde dazu führen, dass die Rating-Agenturen Griechenland für "teilweise zahlungsunfähig" erklären würden, was die Banken des Landes von der Refinanzierung durch die EZB abschneidet.