Was passieren kann, wenn zwei Länder, die nicht zueinander passen, ihre Währungen trotzdem aneinander binden, konnte man 2001 in Argentinien beobachten: In der Krise zerbrach das Bündnis. Der Peso war fest an den Dollar gekettet, der Wechselkurs unveränderbar mit 1:1 fixiert. Das Zinsniveau regelte die US-Notenbank Federal Reserve, auch für Argentinien. Doch während die Wirtschaft der USA wuchs, steckten die Südamerikaner in der Rezession – und versanken immer tiefer darin. Sie konnten weder ihre Währung abwerten, wie es der Nachbar und wichtige Handelspartner Brasilien tat, noch ihre Zinsen senken, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Zugleich war das Land hoch verschuldet . Die Argentinier selbst vertrauten ihren Banken nicht mehr, sie schafften ihr Erspartes ins Ausland. Die Regierung musste hohe Zinsen zahlen, um auf den internationalen Finanzmärkten überhaupt noch Kredit zu erhalten. Zuletzt war der Zinssatz für Argentinien so hoch wie für kein anderes Land. Damit war der Regierung der Zugang zu privatem Kapital praktisch verwehrt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sprang ein . Er schickte Kredit um Kredit. Als die Regierung aber im November 2001 zugab, die Sparvorgaben des Fonds zu verfehlen, verweigerte der IWF die Auszahlung der nächsten Tranche.

Das stürzte das Land ins Chaos . Die Bürger stürmten die Banken, die Regierung beschränkte das Abheben von Bargeld. Daraufhin kam es zum Generalstreik und zu Demonstrationen, die in Gewalt endeten . Das Land erklärte sich letztlich für bankrott. Wenig später gab Argentinien die Bindung des Peso an den Dollar auf.

Plötzlich war die argentinische Währung viel weniger wert als zuvor. In wenigen Tagen stieg der Dollarkurs auf zwei Pesos, im Juni 2002 war ein Dollar sogar mehr als 3,5 Pesos wert. Die Kapitalflucht brachte die Banken in Bedrängnis. Um sie zu schützen, schränkte die Regierung die Verfügbarkeit von Sparkonten stark ein. Die Guthaben durften nur schrittweise, in begrenzten Summen, an die Sparer zurückgezahlt werden. Wer ein Dollarkonto besaß, durfte sein Guthaben nur zu einem sehr schlechten Kurs in Pesos tauschen und verlor viel Geld.

Das traf auch die Unternehmen. Große Teile der argentinischen Wirtschaft wurden vollends abgewürgt. Die Wirtschaft schrumpfte in den ersten Monaten des Jahres 2002 um zwölf Prozent. Zugleich schossen die Lebenshaltungskosten in die Höhe, weil der Wertverlust der Währung die Inflation antrieb . Die Arbeitslosigkeit war hoch. Die positiven Effekte der Abwertung machten sich erst gegen Ende des Jahres bemerkbar, als die argentinischen Exporteure wegen ihrer günstigen Preise auf dem Weltmarkt wieder wettbewerbsfähiger wurden.

Ein Austritt Griechenlands ist nicht das Ende des Euro

Die Ähnlichkeiten zu Griechenland sind offensichtlich . Je länger Europas Politiker uneins sind, desto mehr wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland eines Tages die Euro-Zone verlassen muss, so wie Argentiniens Bindung an den Dollar zerbrach. Die Folgen könnten ähnlich chaotisch sein: Ein Ansturm der Sparer auf die Banken, Währungsverfall, Inflation, noch höhere Arbeitslosigkeit. Das Land wäre vom Kapitalmarkt abgeschnitten – und die Krise würde sich auch auf die anderen Euro-Wackelkandidaten ausweiten, wie im Fall einer gescheiterten Umschuldung. Italien, Portugal, Spanien und Irland würden ebenfalls in den Sog geraten.

Das Ende des Euro muss das nicht unbedingt bedeuten: Die Währungsunion könnte in kleinerer Form weiter existieren, sagen Optimisten.