Die Euro-Zone will mit mehreren Maßnahmen verhindern, dass sich die Schuldenkrise auf Italien und Spanien ausbreitet. Als mögliche Schritte nannte Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker bei einem Sondertreffen der Finanzminister in Brüssel eine Stärkung des Euro-Rettungsfonds sowie Krediterleichterungen für Schuldenstaaten. Konkrete Fortschritte bei den Arbeiten an einem zweiten Hilfsprogramm für Griechenland wurden aber nicht gemacht.

Nach stundenlangen Beratungen erklärten die Euro-Finanzminister am späten Montagabend ihre Bereitschaft, "weitere Maßnahmen zu verabschieden, die die systemische Widerstandsfähigkeit der Euro-Zone stärken". Juncker sprach von einem "Anti-Ansteckungsprogramm." 

EU-Währungskommissar Olli Rehn schloss nicht aus, dass der Fonds künftig auch Staatsanleihen von Privatgläubigern kaufen oder Schuldenländern den Rückkauf eigener Anleihen ermöglichen könnte. Wenn nötig, könnten die betroffenen Staaten mit Vermögenswerten haften. Damit kommt die Euro-Zone einer Forderung aus Finnland nach.

An den Märkten hatten sich zuvor Befürchtungen gemehrt, Italien könne als nächstes Land seine Schulden nicht mehr alleine in den Griff bekommen. Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, ein Hilfseinsatz für das Land könnte den Europäern wesentlich größere Probleme bereiten als die bisherigen Pakete für Griechenland, Irland und Portugal.

Finanzmärkte in Turbulenzen

Die Euro-Finanzminister sicherten zu, ein neues Hilfspaket für Griechenland im Schnellverfahren aufzulegen. "Es wird eine Einbeziehung des privaten Sektors geben", sagte der Euro-Gruppenchef Juncker mit Blick auf Banken und Versicherungen. Diese sollen Milliardenlasten des Pakets mittragen. Details sind laut Diplomaten immer noch umstritten. Juncker kündigte eine Entscheidung zum Paket "in Kürze" an.

Die Beteiligung der privaten Gläubiger ist technisch kompliziert und könnte dazu führen, dass Rating-Agenturen einen solchen Schritt als Zahlungsausfall bewerten. Das will die Europäische Zentralbank unbedingt verhindern, da in diesem Fall Verwerfungen an den Finanzmärkten drohen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist nach den Worten seiner neuen Direktorin Christine Lagarde noch nicht bereit, über die Bedingungen eines zweiten Rettungspakets für Griechenland zu diskutieren. Die IWF-Chefin sagte in Washington, Griechenland habe zwar wichtige Schritte zur Kontrolle seines Haushaltsdefizits unternommen, dies sei aber noch nicht ausreichend.

Das Treffen in Brüssel war geprägt von Turbulenzen an den Märkten. Die Sorgen um die Staatsschulden in Italien schickten den deutschen Leitindex Dax am Montag auf Talfahrt. Die Börse in Mailand schloss mit einem Verlust von knapp vier Prozent. EU-Währungskommissar Rehn sagte dazu: "Wir sind sehr besorgt über die jüngsten Marktentwicklungen." Die Minister versicherten ihre "absolute Bereitschaft, die finanzielle Stabilität der Euro-Zone zu sichern".

Dennoch konnten die Finanzminister offenkundig kein Vertrauen auf den Märkten schaffen. Für den Euro bedeutete dies am Dienstag in Fernost einen fast senkrechten Absturz: Gegenüber dem Dollar fiel die Gemeinschaftswährung bis zum Mittag in Tokyo auf 1,39 Dollar. Das war der tiefste Stand seit gut vier Monaten.

Die Europäer hatten erst vor einigen Wochen beschlossen, die Garantien für den Euro-Rettungsfonds auf 750 Milliarden Euro auszuweiten. Offen blieb in der Erklärung, ob dieser Betrag weiter steigen könnte. Zudem steht die Summe für ein neues Rettungspaket für Griechenland noch nicht fest. Laut Spekulationen könnten es bis zu 120 Milliarden Euro sein. Auch die Bedingungen für das krisengeschüttelte Griechenland könnten erleichtert werden, hieß es in der Erklärung.