Auf dem Euro-Gipfel in Brüssel zeichnen sich erste Details des neuen Hilfspakets für Griechenland ab: Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters läuft es auf einen Rückkauf von Staatsanleihen hinaus. Dabei werden ausstehende Anleihen mit Geldern des provisorischen Euro-Rettungsschirms EFSF zurückgekauft, und zwar zu einem Kurs nahe dem aktuellen – niedrigen – Marktpreis.

Dabei ist ein teilweiser Zahlungsausfall Griechenlands als Folge einer solchen Lösung kein Tabu mehr, wie der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager sagte. Deutschen Regierungskreisen zufolge hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Widerstand dagegen inzwischen aufgegeben. Wie genau der Rückkauf aussehen soll und um welches Volumen es geht, ist noch unklar.

 "Ich gehe davon aus, dass wir ein neues Griechenland-Programm verabschieden können", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor dem Treffen. Damit sollten die Probleme, die Griechenland und andere Euro-Länder hätten, an der Wurzel angepackt werden.

Als weitere Maßnahme zur Stabilisierung des Euro-Raums zeichnete sich bei dem Gipfel ab, dass den mit Notkrediten unterstützten Ländern die Rückzahlung der Hilfsgelder erleichtert werden soll. Demnach sollen für Griechenland, Irland und Portugal die Zinssätze ihrer Notkredite von 4,5 Prozent auf 3,5 Prozent gesenkt und die Rückzahlfristen von siebeneinhalb auf 15 Jahre verlängert werden.

Im Grundsatz hatten sich die Euro-Finanzminister schon in der vergangenen Woche auf diesen Schritt geeinigt. Die Details mussten jedoch noch ausgearbeitet werden. Griechenland, Irland und Portugal sind die drei Euro-Länder, die bislang internationale Notkredite der europäischen Partner sowie des Internationalen Währungsfonds beantragen mussten.

Finanzkreisen zufolge nehmen auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und der Vorstandsvorsitzende der französischen Großbank BNP Paribas, Baudoin Prot, an den Gesprächen teil. Ackermann ist zugleich Präsident des Welt-Bankenverbands IIF. In Brüssel wurden die Chancen für eine Einigung als hoch eingeschätzt. Die Grundlage legten Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in ihren siebenstündigen Verhandlungen in der Nacht zu Donnerstag, bei denen sie ihre Meinungsverschiedenheiten ausräumen konnten.

Alle Lösungen führen zu einem teilweisen Zahlungsausfall

Ein Vorschlag, der in den vergangenen Tagen diskutiert wurde, ist vom Tisch: "Sie sollten davon ausgehen, dass es keine Bankensteuer geben wird", sagte ein mit der Angelegenheit vertrauter EU-Vertreter laut Reuters. Dem habe auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zugestimmt, der am Ende ebenfalls an den Gesprächen von Merkel und Sarkozy teilgenommen hatte. Frankreich hatte eine Sonderabgabe auf Gewinne der Finanzbranche ins Spiel gebracht, um ein neues rund 115 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für das hoch verschuldete Griechenland zu finanzieren. Das stieß aber bei den Banken weltweit auf heftigen Widerstand – es drohten zudem Klagen.