Griechenland kann auf den dringend benötigten internationalen 12-Milliarden-Euro-Kredit hoffen. Die Euro-Finanzminister wollen am Samstag konferieren, um die für diesen Monat fällige Teilzahlung aus dem seit 2010 laufenden Hilfsprogramm von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) freizugeben. Das Treffen der Minister wurde vorverlegt und wird als Videokonferenz geführt. 
"Die Tatsache, dass sie (die Minister) sich nicht persönlich treffen, bedeutet, dass es keine größeren Hürden für eine Entscheidung dazu gibt", sagte ein Vertreter der Euro-Zone.

Die Tranche setzt sich zusammen aus 8,7 Milliarden Euro aus EU-Mitteln und 3,3 Milliarden Euro vom IWF. Der Währungsfonds will Medienberichten zufolge am 8. Juli über seinen Anteil entscheiden.

Ursprünglich wollten die Euro-Chefs auf einem Sondertreffen am Sonntag in Brüssel auch über ein neues Rettungspaket für Griechenland von bis zu 120 Milliarden Euro beraten. Dafür wird auch eine Einbindung privater Geldgeber angestrebt. Eine europaweite Lösung für die freiwillige Gläubigerbeteiligung zieht sich aber hin. Das Treffen wurde vorgezogen und nun durch eine Telefonkonferenz ersetzt.

Die Debatte der EU über das neue Hilfspaket solle nun am 11. Juli geführt werden, sagte Juncker. Dann findet das nächste reguläre Treffen der Euro-Minister statt. Es stehe aber noch nicht fest, ob es zu diesem Termin schon eine endgültige Einigung geben werde. Juncker wandte sich gegen Spekulationen, wonach das zweite Rettungspaket für Athen auf die lange Bank geschoben werden könnte. "Es wird ein neues Griechenland-Programm geben, in enger Abstimmung mit dem Internationalen Währungsfonds", sagte er.

Falls Griechenland trotz aller Bemühungen die Zahlungsunfähigkeit erklären muss, so wird Deutschland den Worten von Bundesfinanzminister Schäuble zufolge gewappnet sein. "Natürlich bereiten wir uns als verantwortungsvolle Regierung für den unwahrscheinlichen Fall vor, dass es entgegen aller Erwartungen doch zu einem Ausfall griechischer Zahlungen kommt", sagte der CDU-Politiker in einem am Samstag veröffentlichten Spiegel-Interview. "Dann werden wir dafür sorgen, dass es zu keiner unkontrollierten Entwicklung kommt."

Schäuble räumte ein, dass er dem Privatsektor bei den Verhandlungen über ein zweites Hilfspaket entgegengekommen sei. "Die deutschen Banken und Versicherungen haben mir sehr deutlich gemacht, dass ihre Beteiligung nicht zu einer Benachteiligung gegenüber europäischen Wettbewerbern führen darf." Die deutsche Finanzwirtschaft hat als Beitrag zur Rettung des Euro-Landes zugesagt, Anleihen im Wert von 3,2 Milliarden Euro weiter zu finanzieren, wenn sie 2014 auslaufen. Allerdings tragen davon die staatlichen Abwicklungsbanken, die aus der Hypo Real Estate und der WestLB hervorgegangen sind, allein 1,2 Milliarden Euro. Der Beitrag anderer europäischer Banken und Versicherer ist dagegen noch offen.

Die deutsche Industrie wirbt unterdessen für ein langfristiges Investitionsprogramm, das dem hochverschuldeten Griechenland wirtschaftlich helfen könne. "Wir brauchen einen Businessplan", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel. "Jetzt müssen Wege gefunden werden, um den Griechen Zeit zu verschaffen, damit sie wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen."