ZEIT ONLINE: Sie haben schon über Bitcoins geschrieben, bevor der diesjährige Hype begann und sich der Kurs vervielfachte. Sind Sie dank Bitcoins reich geworden?

Reuben Grinberg: Als ich anfing, mich mit Bitcoins zu beschäftigen, betrug der Kurs rund 50 Cent. Jetzt liegt er bei rund 14 Dollar. Hätte ich 1.000 oder 2.000 gekauft, würde ich jetzt eine schöne Stange Geld besitzen – selbst nach dem Kurssturz des letzten Monats. Leider habe ich damals nur zehn gekauft, zu Studienzwecken.

ZEIT ONLINE:  Werden die im vergangenen Monat bekannt gewordenen Sicherheitsmängel dem Erfolg von Bitcoin schaden?

Grinberg: Der Preis ist um 50 Prozent eingebrochen, nachdem es Berichte gab, dass eine große Menge Bitcoins von einem Rechner gestohlen worden waren. Die Leute sind verärgert über Mt. Gox . Das ist die Börse, die das weitaus größte Handelsvolumen hat und vergangenen Monat gehackt wurde. Einige Leute haben das Vertrauen verloren und schrecken davor zurück, Bitcoins zu halten. Der heutige Preis von 14 Dollar ist aber immer noch beachtlich. Bis zum Juni ist der Kurs von Bitcoins mit jeder wichtigen Geschichte in den Medien gestiegen. Die negative Aufmerksamkeit der vergangenen Wochen könnte dieser Aufwärtsbewegung entgegenwirken.

ZEIT ONLINE:  Regierungen und Kreditkartenunternehmen investieren viel Geld, um Betrug zu verhindern. Kann ein open-source -Projekt, das keine Gewinne abwerfen soll, jemals dasselbe Maß an Sicherheit bieten?

Grinberg: Das ist kein Problem von open source . Gavin Andresen, der Chefentwickler des wichtigsten Bitcoin-Programms und De-facto-Führer der Bitcoin-Community, macht einen großartigen Job. Angesichts des rasanten Kursanstiegs der Bitcoins sollte genug Geld da sein, um in Sicherheit zu investieren. Es ist ein Mythos, dass open source notwendigerweise weniger sicher ist. Es waren die Browser Firefox und Chrome, die die Sicherheit vorangetrieben haben, nicht der Internet Explorer, den es viel länger gab. Einige sind sogar der Meinung, dass das Bitcoin-System an sich völlig sicher ist. Die Börse und der Typ, der Bitcoins auf seinem Computer gespeichert hat, seien selbst Schuld.

ZEIT ONLINE:  Haben sie recht?

Grinberg:  Teilweise. Die Technologie an sich ist sicher. Aber wie soll man Bitcoins aufbewahren und handeln? Wenn es dafür keinen sicheren Weg gibt, sinkt das Potenzial der Idee.

ZEIT ONLINE:  Manche sagen, Bitcoins seien bloß ein Werkzeug für Kriminelle, die damit auf dem Online-Marktplatz Silk Road anonym Drogen handeln könnten.

Grinberg: Ich weiß nicht, in welchem Maß Bitcoin für den Drogenhandel benutzt wird. Es gibt sicherlich Leute, die das machen. Das ist beunruhigend. Aber es ist bestimmt nicht die Mehrheit.

ZEIT ONLINE:  Welche anderen Gründe gibt es für das Interesse an Bitcoins?

Grinberg: Manche spekulieren auf weitere Kursgewinne. Andere – man könnte sie Anarchisten nennen – glauben, dass jegliche Kontrolle durch die Regierung etwas Schlechtes sei. Und dann sind da diejenigen, die an die ökonomischen Vorteile einer grenzenlosen Währung glauben.

ZEIT ONLINE:  Gibt es denn welche?

Grinberg: Im Moment kann man nicht viele Dinge mit Bitcoins kaufen – außer vielleicht Alpaca-Socken und ein paar andere Sachen. Es gibt nichts, was man nicht auch bequemer mit normalem Geld kaufen könnte. Ich glaube nicht, dass Leute schon in einigen Jahren ihre Dollars in Bitcoins tauschen werden, um etwas zu kaufen. Das wäre vielleicht dann der Fall, wenn die Transportkosten so stark sinken sollten, dass es für Privatleute interessant würde, Waren weltweit zu verkaufen, ohne sich über den Geldtransfer und -umtausch Gedanken machen zu müssen. Auch für Devisenhändler und global operierende Konzerne könnte es irgendwann interessant sein. Das liegt aber noch in ferner Zukunft.

ZEIT ONLINE:  Einige US-Senatoren wollen gegen Bitcoin vorgehen. Gibt es in den USA denn Gesetze, auf deren Grundlage man es verbieten könnte?

Grinberg:  Einige Gesetze tendieren dazu, das Monopol der Bundesregierung auf das Herstellen von Geld zu sichern. Die Verfassung der USA verbietet es den Bundesstaaten, ihre eigene Währung zu emittieren – nicht aber Privatpersonen. Zugleich gibt es Bestimmungen gegen Falschgeld. Erst vor Kurzem wurde der Gründer einer alternativen Privatwährung namens Liberty Dollar verurteilt, weil er Falschgeld in Umlauf gebracht haben soll. Viele in der Bitcoin-Community sehen darin einen Beleg für die Feindseligkeit der US-Regierung gegenüber privaten Währungen.

ZEIT ONLINE:  Zu Recht?

Grinberg:  In dem Fall ging es tatsächlich um Falschmünzerei. Die Münzen waren so ähnlich, dass Leute sie irrtümlich als normales Geld akzeptiert haben. Die ermittelnde Staatsanwältin hat mir bestätigt, dass es keine Fehde gegen Privatgeld gibt.