Mit großen Anzeigen in sieben britischen Zeitungen hat sich Konzernchef Rupert Murdoch für den Abhörskandal entschuldigt: "We are Sorry" ("Es tut uns leid") sind die Anzeigen überschrieben. "Das Geschäft der News of the World war es, andere zur Verantwortung zu ziehen. Sie versagte, als es um sie selbst ging. Das ernsthafte Fehlverhalten, das passierte, tut uns leid", heißt es in dem Text. Murdoch schreibt weiter: "Es ist mir klar, dass es nicht genug ist, sich einfach zu entschuldigen."

"Unser Geschäft wurde auf der Annahme gegründet, dass eine freie und offene Presse eine positive Kraft in der Gesellschaft sein sollte. Dahin müssen wir wieder kommen", schrieb er und kündigte einen transparenten Aufklärungsprozess an. "In den kommenden Tagen, in denen wir weitere konkrete Schritte unternehmen werden, um diese Dinge zu lösen und den Schaden zu begleichen, den sie verursacht haben, werden Sie mehr von uns hören."

Am Freitag hatte ein weiterer Vertrauter von Murdoch die Konsequenzen aus dem Abhörskandal in Großbritannien gezogen. Wenige Stunden nach dem Rücktritt der Chefin der Zeitungsgruppe News International, Rebekah Brooks, nahm auch der Chef der Tochterfirma Dow Jones, Les Hinton, seinen Hut. Aushängeschild von Dow Jones ist die Wirtschaftszeitung Wall Street Journal. Hinton hatte über zwölf Jahre die britische News-Corp-Tochter News International geleitet, zu der auch das Skandalblatt News of the World bis zu seiner Einstellung gehörte. Insgesamt arbeitete er seit 52 Jahren für Murdoch.

Reporter der Sonntagszeitung News of the World hatten bisherigen Erkenntnissen zufolge systematisch die Telefone von Prominenten, Politikern und Verbrechensopfern abgehört. Die Vorfälle fallen in jene Zeit, in der Hinton den Verlag in Großbritannien führte und auch erste Details ans Licht kamen. "Als ich News International im Dezember 2007 verlassen habe, dachte ich, der faulige Teil der News of the World wäre ausgemerzt", sagte Hinton.

"Es spielt keine Rolle, dass ich nicht wusste, was da vermutlich passiert ist", erklärte er weiter in einer Mitteilung. "Unter diesen Umständen ist es meiner Ansicht nach angemessen, aus der News Corp. auszuscheiden und mich bei allen zu entschuldigen, die von den Aktionen der News of the World verletzt wurden." Hinton beteuerte, vor Untersuchungsausschüssen in Großbritannien 2007 und 2009 die Wahrheit gesagt zu haben. Ihm sei nur ein Einzelfall bekanntgewesen.

Der 80-jährige Murdoch sagte, er sei "sehr traurig", dass Hinton aus der News Corp. ausscheide. Kurz zuvor hatte Murdoch die britische Verlagschefin Rebekah Brooks nach massivem öffentlichen Druck ziehen lassen müssen. Brooks war bis zum Jahr 2003 Chefredakteurin von News of the World und später des zweiten britischen Murdoch-Boulevardblattes The Sun. Auch Murdochs Sohn James, der das Europageschäft leitet, steht in der Kritik.

Die Rücktritte kamen an einem Tag, an dem Murdoch sich zum einen bei den Opfern der Abhöraktionen in Großbritannien entschuldigte, an dem zum anderen aber auch Ermittlungen der US-Bundespolizei FBI ihren Lauf nahmen. Die Polizisten gehen dem Verdacht nach, dass News-Corp.-Mitarbeiter auch die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 abgehört haben könnten. In Australien stehen Murdoch-Medien ebenfalls unter verschärfter Beobachtung.

Derweil bemüht sich Murdoch um Schadensbegrenzung. Er hat sich in einem Hotel in der Londoner Innenstadt mit den Angehörigen der ermordeten Milly Dowler getroffen. Wie die britische Agentur PA am Freitag weiter berichtete, habe sich Murdoch für das entschuldigt, was News of the World-Mitarbeiter der Familie angetan haben.

Millys Eltern hatten ein Treffen mit den Verantwortlichen des Blattes verlangt, seit ans Licht gekommen war, dass Journalisten der Zeitung die Mailbox ihrer entführten Tochter angezapft hatten. Die Schülerin war 2002 im Alter von 13 Jahren entführt und ermordet worden. Die Angehörigen des getöteten Mädchens hatten sich in dieser Woche bereits mit Premierminister David Cameron und anderen Spitzenpolitikern getroffen. Der Fall hatte letztlich den Ausschlag dafür gegeben, dass die gesamte Affäre ans Licht kam.