Angesichts der Hungersnot am Horn von Afrika will die Weltbank mehr als 500 Millionen Dollar (348 Millionen Euro) für die von der Dürre betroffenen Regionen zur Verfügung stellen. "Die Soforthilfe hat oberste Priorität, und es kommt darauf an, schnell zu handeln, um das menschliche Leid zu verringern", sagte Weltbankpräsident Robert Zoellick. Daneben müsse es aber auch langfristige Lösungen geben. Der Großteil des Geldes soll deshalb in auf längere Zeit angelegte Projekte investiert werden. In die sogenannte Übergangs- und Nothilfe sollen zwölf Millionen Dollar fließen.

Die Bundesregierung erklärte, weitere 15 Millionen Euro für die Übergangs- und Nothilfe zur Verfügung zu stellen. Damit werde das deutsche Engagement auf insgesamt 30 Millionen Euro aufgestockt, sagte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) im ZDF. Die EU habe ihre Hilfe zudem auf 160 Millionen Euro verstärkt. Deutschland sei daran mit 20 Prozent beteiligt. Der Oppositionspolitiker Thilo Hoppe von den Grünen hatte in der vergangenen Woche kritisiert, dass ein großer Teil der deutschen Hilfe gar nicht zur akuten Bekämpfung der Hungersnot gedacht, sondern schon vor der Hungerkrise zugesagt worden sei. Das Ausmaß der deutschen Nothilfe sei also in Wahrheit viel geringer als offiziell behauptet.

Auf einem Krisengipfel in Rom haben Vertreter der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), von nichtstaatlichen Hilfsorganisationen und den Regierungen einiger der betroffenen Staaten "schnelles Handeln" gegen die Hungerkatastrophe gefordert. "Der Hunger ist kein Skandal von gestern, sondern ein Skandal von heute, und wenn wir nichts unternehmen, wird er auch ein Skandal von morgen sein", mahnte der französische Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire. Frankreich, das in diesem Jahr die G8- und die G20-Präsidentschaft innehat, hatte das römische Treffen angeregt.

Es bestehe immer noch "ein Zeitfenster", um die hungernden Menschen ausreichend zu unterstützen und sie in die Lage zu versetzen, ihre Existenzgrundlagen wieder aufzubauen, hieß es in der Abschlusserklärung der FAO-Konferenz. Hierzu seien sowohl humanitäre Soforthilfe als auch langfristige Maßnahmen notwendig.

Die Situation ist dramatisch: Nach der schwersten Dürre der vergangenen 60 Jahre sind in Ostafrika nach Schätzungen der UN in Somalia, Kenia, Äthiopien, Dschibuti, Sudan und Uganda rund zwölf Millionen Menschen von Nahrungsmittelknappheit betroffen. In Regionen im Süden Somalias herrscht schwere Hungersnot. Zehntausende starben bereits. Nach letzten Angaben des Kinderhilfswerks Unicef ist mehr als eine halbe Million Kinder vom Hungertod bedroht. Besonders schlimm ist die Situation in Somalia, dass seit über 20 Jahren von einem Bürgerkrieg betroffen ist. Aber auch Teile Äthiopiens und Kenias leiden unter der Trockenheit und steigenden Lebensmittelpreisen.

"Wir sind sehr besorgt um die Kinder. Viele von ihnen haben weniger als 40 Prozent Überlebenschance", erklärte Josette Sheeran, Direktorin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP). Das WFP sei bereit, "schon morgen" eine Luftbrücke nach Mogadischu zu starten, um Spezialnahrung in Tüten in die Brennpunktgebiete zu bringen, "um die Körper und Gehirne dieser Kinder zu beschützen". Unicef erklärte, bis Ende des Jahres 300 Millionen Dollar (knapp 209 Millionen Euro) für Hilfsmaßnahmen allein für die unterernährten Kinder zu benötigen.

Um langfristig zu helfen, will die Konferenz Hirten sowie Landwirten mit Viehzucht besondere Unterstützung zukommen lassen. Diese seien ein wichtiger Bestandteil der möglichen Nahrungsmittelsicherheit. Im selben Kontext sei es auch entscheidend, die Bewegungsfreiheit der Hirten in den einzelnen Ländern und auch grenzübergreifend zu garantieren und abzusichern, hielt die Konferenz fest. Ebenso sei, soweit möglich, die Vertreibung von Menschen zu vermeiden. Bauern und Fischern müsse zur Selbsthilfe geholfen werden.

In den Brennpunktgebieten ist unmittelbares Handeln geboten. "Die Kombination von Dürre, Inflation und politischen Konflikten haben eine katastrophale Situation geschaffen", erklärte der scheidende FAO-Direktor Jacques Diouf. Um diese Krise zu überwinden, seien in den kommenden Monaten mindestens 1,6 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) notwendig, schätzte Diouf.

Die Versorgung der Hungernden in Somalia gestalte sich jedoch angesichts der Kontrolle durch die islamistische Al-Shabaab-Miliz schwierig, sagte der deutsche Entwicklungsminister Dirk Niebel. Würden einfach Lebensmittel per Flugzeug abgeworfen, könne dies womöglich den Milizen und nicht den Not leidenden Menschen zugute kommen, sagte Niebel. Zudem könnten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen nicht guten Gewissens in die Region geschickt werden. Die in mehreren somalischen Provinzen regierende Al-Shabaab-Miliz hatte angekündigt, keine Hilfslieferungen an die Hungernden in den von ihnen kontrollierten Gebieten zuzulassen. Die Miliz sagte, sie würde die Hilfsorganisationen nicht "ungehindert" arbeiten lassen. Gefragt sei laut Niebel jetzt vor allem die Afrikanische Union (AU), die vor Ort verhandeln müsse.