EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat eine Zerschlagung der Rating-Agenturen ins Spiel gebracht. "Europa darf sich den Euro nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen", sagte Reding der Zeitung Die Welt mit Blick auf die drei großen Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Bei der Bewertung von Staaten und Unternehmen seien mehr Transparenz und mehr Wettbewerb nötig.

Die Justizkommissarin aus Luxemburg macht zwei mögliche Lösungen aus. "Entweder beschließen die G20-Staaten gemeinsam, das Kartell der drei US-Rating-Agenturen zu zerschlagen", sagte Reding. Die USA könnten beispielsweise aufgefordert werden, aus den drei Agenturen sechs zu machen. "Oder es werden unabhängige europäische und asiatische Rating-Agenturen geschaffen", forderte die EU-Politikerin. Es dürfe nicht sein, dass ein Kartell dreier US-Unternehmen über das Schicksal ganzer Volkswirtschaften und ihrer Bürger entscheide.

Die Diskussion war entbrannt, nachdem Moody's die Kreditwürdigkeit von Portugal trotz seiner Sparbemühungen Anfang Juli um vier Stufen auf Ramschstatus herabgestuft hatte. Je schlechter die Bonität eines Staates beurteilt wird, desto teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Kritik an Agenturen auf EU-Ebene wächst

Die EU-Kommission erwägt inzwischen, Rating-Agenturen die Bewertung von Euro-Staaten mit Schuldenproblemen zu untersagen. Er könne sich vorstellen, die Ratings für Staaten auszusetzen, die internationale Finanzhilfen erhielten, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier.

Nach der unerwarteten Abwertung der Kreditwürdigkeit Portugals kritisieren EU-Politiker die Arbeit der Bonitätsprüfer zunehmend. "Wir müssen das Oligopol der Rating-Agenturen brechen", forderte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der vergangenen Woche. Die EU-Kommission verurteilte den Schritt als "fragwürdig" und drohte den Agenturen mit schärferen Gesetzen.

Die Bonitätsprüfer werden in Europa zwar mittlerweile umfassend beaufsichtigt, zudem kommen jetzt mehrere neue Gesetze auf sie zu. Vor der Finanzkrise agierten die Notengeber beinahe ohne jegliche Regulierung. Das hat sich mit der EU Richtlinie CRA I geändert, die 2010 in Kraft trat. Seitdem dürfen die Agenturen keine Finanzprodukte mehr bewerten, an deren Strukturierung sie beteiligt waren. Auch müssen sie etwa ihre Methoden offenlegen und sich von der EU-Finanzaufsicht ESMA kontrollieren lassen. Bei Verstößen drohen ihnen Bußgelder.