Nach der erneuten Herabstufung der Kreditwürdigkeit Portugals hat Finanzminister Wolfgang Schäuble angekündigt, den Einfluss von Rating-Agenturen begrenzen zu wollen. Es gebe diesbezüglich bereits "starke Bestrebungen" in der Europäischen Union, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Das "Oligopol" der Rating-Agenturen müsse aufgebrochen werden. Zuvor hatte die Rating-Agentur Moody's die Kreditwürdigkeit langfristiger Staatsanleihen Portugals um vier Stufen auf Ramsch-Status herabgestuft.

Von der Mitteilung der Herabstufung Portugals sei er "so überrascht wie alle anderen" gewesen, sagte Schäuble. "Ich kann nicht erkennen, was dieser Einschätzung zugrunde liegt." Portugal habe seit einigen Wochen eine neue Regierung, die bei der Umsetzung der beschlossenen Sparmaßnahmen "voll im Plan" liege oder sogar schneller voranschreite als vorgesehen, sagte der Minister. Der griechische Außenminister Stavros Lambrinidis sprach in diesem Zusammenhang von einem "Irrsinn" der Agenturen und von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) hatten im Mai ein Hilfsprogramm in Höhe von 78 Milliarden Euro für das hoch verschuldete Portugal beschlossen. Im Gegenzug verpflichtete sich das Land auf ein hartes Spar- und Reformprogramm. Moody's hatte die Herabstufung damit begründet, Portugal könne bald einen zweiten EU-Rettungsplan benötigen, wie dies bereits bei Griechenland der Fall ist.

Angesichts der wachsenden Kritik hatte zuvor die Rating-Agentur Standard & Poor’s das Vorgehen der Branche verteidigt. Deutschland-Chef Torsten Hinrichs sagte, die Bewertung von Ländern und anderen Kapitalmarktteilnehmern sei "absolut wichtig" für Investoren. "Nur so ist gewährleistet, dass die Investoren sich ein breites Bild machen können über die Qualitäten an den Kapitalmärkten und eine Wahl treffen können, in welche Papiere sie investieren wollen", sagte Hinrichs im ARD Morgenmagazin.

Am Montag hatte die US-Rating-Agentur Standard & Poor’s angekündigt, beide derzeit diskutierten Varianten der Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten der Krise in Griechenland als teilweisen Zahlungsausfall zu werten. Auch Fitch Ratings warnte vor einer Abwertung. Die dritte große Rating-Agentur Moody’s hat sich bislang nicht geäußert.

Deutsche Banken und Versicherer wollen eine solche Abstufung unbedingt vermeiden: Ihnen drohen hohe Abschreibungen im Falle eines griechischen Staatsbankrotts. Zudem könnten die griechischen Banken Probleme bekommen – im Fall eines teilweisen Zahlungsausfalls würde die EZB griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheit für Geldgeschäfte akzeptieren.

Die EZB hat sich dazu bisher nicht geäußert. Solange nicht alle drei Rating-Agenturen Griechenland einen Zahlungsausfall bescheinigen, akzeptiere sie weiterhin griechische Anleihen als Sicherheit, berichtete die Financial Times und bezog sich auf Finanzkreise.