Die Bahn hat im Streit um Stuttgart 21 eine entscheidende Hürde genommen. Das Gutachten zum Stresstest für das Bauprojekt hat die Leistungsfähigkeit des geplanten unterirdischen Durchgangsbahnhofs bestätigt.

In der noch unveröffentlichten Untersuchung der Schweizer Verkehrsberater SMA heißt es, die Überprüfung der Simulationsergebnisse habe gezeigt, dass in der am meisten belasteten Stunde und mit dem in der Simulation unterstellten Fahrplan die geforderten 49 Ankünfte im Hauptbahnhof Stuttgart "mit wirtschaftlich optimaler Betriebsqualität abgewickelt werden können". Die vom Schlichter Heiner Geißler geforderten "anerkannten Standards des Eisenbahnwesens" seien eingehalten.

Die Deutsche Bahn sieht sich bei dem umstrittenen Bauprojekt einen entscheidenden Schritt vorangekommen. "Der Stresstest ist bestanden", sagte eine Sprecherin des Bahn-Projekts in Stuttgart. Vor der Prüfung durch die Gutachter von SMA hatte die Bahn selbst per Computersimulation getestet, ob der für rund 4,1 Milliarden Euro geplante unterirdische Durchgangsbahnhof leistungsfähiger als der bestehende Kopfbahnhof ist. Kommende Woche sollen die Ergebnisse des Belastungstests offiziell vorgestellt werden.

Projektgegner lehnen Testverfahren ab

Die Gegner des umstrittenen Bahnprojekts hatten bereits vor Bekanntgeben der Ergebnisse angekündigt, dass sie an der offiziellen Präsentation nicht teilnehmen wollen. Dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 seien Fakten vorenthalten worden. Der Stresstest sei "damit gescheitert", sagte dessen Sprecher, Hannes Rockenbauch. Bündnissprecherin Brigitte Dahlbender drohte mit weiteren Protestaktionen: "Wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange", sagte sie.

Die Absage des Aktionsbündnisses sieht Schlichter Geißler kritisch. "Ich bin nicht der Psychotherapeut der Gegner. Es ist aus ihrer Sicht falsch, wenn man die Gelegenheit nicht wahrnimmt, die Argumente der Öffentlichkeit vorzustellen." Das Aktionsbündnis sei in drei Vorbereitungstreffen im Juli über den Stresstest informiert worden. Geißler könne die Präsentation nicht absagen, weil die Gegner die Voraussetzungen für den Stresstest nicht akzeptierten.

Die Projektgegner kritisierten unter anderem, dass in dem von der Bahn erstellten Test verschiedene Störfälle nicht berücksichtigt worden seien. Die Bahn habe Haltezeiten rechnerisch auf unter zwei bis drei Minuten gesenkt, damit der neue Durchgangsbahnhof in Spitzenzeiten bis zu 48,5 Züge pro Stunde abfertigen könne. Der bestehende Kopfbahnhof sei gleichwohl noch leistungsfähiger, weil er bis zu 54 Züge in der Stunde aufnehmen könne.

Die Bahn will den bestehenden 16-gleisigen Kopfbahnhof zu einem unterirdischen achtgleisigen Durchgangsbahnhof umbauen. Die Projektgegner hoffen, dass weitere Nachrüstkosten das Budget sprengen und die Bahn das Projekt dann einstellen müsste.