ZEIT ONLINE: Herr Stryi-Hipp, Griechenland soll dem Rest Europas Sonnenstrom liefern . Ganz neu ist die Idee nicht, die griechische Regierung fördert die Fotovoltaik schon länger. Wie viel hat sie bisher erreicht?

Gerhard Stryi-Hipp: Wenig. Griechenland arbeitet seit etwa fünf Jahren daran, die Fotovoltaik voranzubringen. Es gibt ein gut ausgestattetes Förderprogramm, das Investitionszuschüsse und Einspeisevergütungen für Solarstrom vorsieht. Die Schwierigkeit liegt in den administrativen Barrieren.

ZEIT ONLINE: Was heißt das konkret? 

Stryi-Hipp: Das Antragsverfahren ist kompliziert und langwierig. Wer eine Fotovoltaik-Anlage bauen wollte, brauchte anfangs etwa 30 Genehmigungen. Heute sind es weniger, aber es gibt immer noch kaum ein Durchkommen durchs bürokratische Gestrüpp. Gleich nachdem das Fördergesetz verabschiedet wurde, gingen bei den Behörden so viele Anträge ein, dass die Beamten zusätzliche Räume anmieten mussten, um die Papiere überhaupt lagern zu können. Dort ruhten die Formulare dann eine Weile, ohne dass etwas geschah. Dann wurde ein Schub Anträge bewilligt. Es wurden in Griechenland jetzt einige große Fotovoltaik-Anlagen gebaut, aber im Verhältnis zu dem, was geplant war, ist bislang nur sehr wenig verwirklicht worden.

ZEIT ONLINE: Gibt es jetzt in der Krise denn noch genügend Geld, um die Solarenergie zu fördern?

Stryi-Hipp: Die Einspeisungsvergütung für Solar- und Windstrom wird durch eine Umlage auf den Stromverbrauch finanziert, ähnlich wie in Deutschland. Das hat mit dem Staatsbudget nichts zu tun. Deshalb dürfte dieses Programm nicht unter der Krise leiden. Hinzu kommen die Investitionszuschüsse, die für den Bau neuer Anlagen teilweise gezahlt werden. Ein Teil dieser Mittel wird über EU-Programme finanziert und ist damit wohl nicht bedroht. Aber sie wären auch gar nicht notwendig, um Solarstrom wettbewerbsfähig zu machen.

ZEIT ONLINE: Warum nicht?

Stryi-Hipp: Die Einspeisungsvergütung ist in Griechenland so hoch, dass sie den Investoren allein schon eine attraktive Rendite garantiert. Nehmen Sie den Vergleich mit Deutschland: Hierzulande bringt eine Solaranlage unter den derzeitigen Förderbedingungen sechs bis sieben Prozent Rendite im Jahr, bei einer Einspeisungsvergütung von 21 bis 28 Cent pro Kilowattstunde (kWh). In Griechenland liegt die Vergütung bei 35 bis 44 Cent pro kWh. Zwar sind auch die Kosten für die Anlagen höher als in Deutschland, unter anderem aufgrund der langen Vorlaufzeit, der komplizierten Genehmigungspraxis und des unausgereiften Marktes. Aber die Sonneneinstrahlung liegt auch 30 bis 50 Prozent über dem hiesigen Wert. Damit sich der Bau einer Solaranlage rentiert, wäre eine Einspeisungsvergütung von geschätzt 25 Cent pro kWh ausreichend. Es ist also ein gutes Geschäft, in Griechenland eine Fotovoltaik-Anlage zu bauen. Die Rendite liegt deutlich höher als in Deutschland.

ZEIT ONLINE: Aber nur, wenn man das Vorhaben genehmigt bekommt.

Stryi-Hipp: Ja.