Das Wirtschaftswachstum hat sich nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums verlangsamt. "Der Konjunkturaufschwung in Deutschland hat sich im zweiten Quartal wahrscheinlich mit deutlich vermindertem Tempo fortgesetzt", hieß es in dem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht. "Insbesondere in der Industrie zeigt sich dabei eine Abstufung im Expansionstempo." Die Frühindikatoren deuteten darauf hin, dass mit einem flacheren Wachstum zu rechnen sei.

Zahlen des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen, dass sich die Stimmung in den deutschen Chefetagen deutlich verschlechtert hat. Der Ifo-Index sank auf 112,9 Punkte. Die Einschätzung der 7.000 Unternehmer, die das Institut jeden Monat zu ihrer Lage und ihren Erwartungen für die nächsten Monate befragt, ist damit pessimistischer als es Ökonomen erwartet hatten. Im Juni war das wichtige Stimmungsbarometer überraschend erneut gestiegen und hatte 114,5 Punkte erreicht.

Von einer Schwächephase der deutschen Wirtschaft könne dennoch nicht die Rede sein, urteilte Ifo-Chef Werner Sinn. "Wenngleich die Geschäftserwartungen nach unten weisen, sonnt sich die deutsche Wirtschaft noch immer in einem Sommerhoch", sagte er. Die Einschätzungen seien noch genauso günstig wie im Frühjahr.

Export leidet an schwächerer Weltkonjunktur

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der Ifo-Experte Klaus Abberger. "Die deutsche Wirtschaft ist trotz aller Turbulenzen um uns herum auf einem guten Weg zu einer sanften Landung", sagte er. "Es wird etwas verhaltener, aber die Situation ist weiterhin sehr gut."

Besonders die exportabhängige Industrie stellt sich wegen des schwächeren Weltkonjunktur auf ein langsameres Wachstum ein. "Die Exporterwartungen sind deutlich nach unten korrigiert worden", sagte Abberger. "Das internationale Umfeld wird nicht mehr ganz so stürmisch gesehen." Aus den USA, China und der Euro-Zone seien zuletzt schwache Konjunktursignale gekommen. Dennoch seien die Industriebetriebe sehr gut ausgelastet und wollten neues Personal einstellen. Auch bei den Dienstleistern und im Handel trübte sich die Stimmung ein, nur in der Baubranche hellte sie sich auf.

Mit verschlechterten Konjunkturzahlen rechnen 20 Banken-Volkswirte, die von der Nachrichtenagentur Reuters befragt wurden. Für das zweite Quartal sagen die Analysten ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent voraus. Zu Jahresbeginn war deren Prognose noch dreimal so stark ausgefallen, weil die Bauwirtschaft die am Jahresende wegen Schnee und Frost liegen gebliebenen Arbeiten rascher als erwarten aufholen konnte. Bis Ende 2012 rechnen die Experten mit einem Quartalswachstum, das zwischen 0,4 und 0,6 Prozent schwankt.