Den Crash an den Aktienmärkten zu verstehen, überfordert viele von uns – wie schon die Euro-Krise und das Schuldenproblem der USA. Die Komplexität der Zusammenhänge zu erfassen, ist äußerst schwierig. Die meisten von uns würden daran scheitern zu erklären, was ein Euro-Bonds ist oder wie eine Rating-Agentur arbeitet. Dabei haben wir das ungute Gefühl, dass uns die Krise unmittelbar angeht. Irgendwie.

Wir kennen unsere Unwissenheit in ökonomischen Dingen, beheben sie aber nicht. "Neues Wissen entsteht dadurch, dass vorhandenes Wissen neu arrangiert wird", sagt der Hirnforscher Gerhard Roth . Doch zu viele der Informationen, die uns über die Krise erreichen, finden keinen Halt in unseren Köpfen. Indes sind die dringendsten Fragen, die uns in den vergangenen Jahren national und international beschäftigt haben, ökonomischer Natur.

Natürlich gibt es viele Experten, Menschen die sich gut mit den Problemstellungen der Ökonomie auskennen, die befragt werden und Auskunft geben . Auffallend ist jedoch, dass die Gemeinschaft derer, die Fragen stellen, Antworten geben und diese weiterdenken können, so klein und abgeschlossen ist. Das Schweigen derer, die sich sonst gerne konstruktiv, visionär oder auch provozierend in Debatten einmischen, von Künstlern, Intellektuellen, Kreativen, ist schon beinahe beängstigend.

Einer der Gründe für die Unwissenheit ist, dass unser Bildungsideal immer noch humanistisch geprägt ist. Alexander und Wilhelm von Humboldt dienen uns als Vorbilder und die waren – das hat man zu wissen! – Naturforscher und Kulturwissenschaftler. Wir lernen Sprachen und die Grundlagen der Physik, Chemie und Biologie, aber kaum die der Wirtschaft. So können wir zwar Thilo Sarrazins verschwurbelte Gen-Argumentation als falsch entlarven, nicht aber verstehen, welche Konsequenzen fallende Aktienkurse auch für Menschen ohne Aktienpakete haben. 

In einem Experiment stellten Bildungsforscher Schülern die Frage "Wann ist ein Kredit von 3.000 Euro bei zwölf Prozent Jahreszinsen getilgt, wenn man jeden Monat 30 Euro zurückzahlt?" Eine recht lebensnahe Frage, muss doch jeder von uns mit Geld umgehen, es verdienen und ausgeben, aber auch verwalten, möglicherweise anlegen, damit er gegen Risiken des Lebens abgesichert ist und auch im Alter noch Geld zur Verfügung hat. Doch nur ein Viertel der befragten Schüler wusste die richtige Antwort: nie. Man ahnt, wie ein Versuch mit betriebs- oder volkswirtschaftlichen Fragen ausgefallen wäre.

Um die gegenwärtigen Probleme zu verstehen, ohne uns überrollt zu fühlen, müssen wir anfangen die Wissenslücken zu schließen. Das ist ein Bildungsappell – an die Lehranstalten, aber auch an jeden einzelnen von uns.

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