Die überraschend schwache deutsche Konjunktur hat sich negativ auf den Aktienmarkt ausgewirkt. Der Dax, der nach einem zweiwöchigen Kurssturz zuletzt eine dreitägige Gewinnserie hatte, sackte am Dienstag zeitweise um bis zu 2,87 Prozent ab. Im Laufe des Nachmittags konnte sich der Leitindex jedoch wieder stabilisieren, so dass er am Ende bei 5994,90 Punkten stand und damit lediglich um 0,45 Prozent sank. Auch MDax und TecDax verloren.

Die Aktienkurse konnten sich jedoch wieder stabilisieren, nachdem es positive Nachrichten aus den USA gab: Die Rating-Agentur Fitch hält an der Top-Bonität für die USA fest und gab insgesamt einen stabilen Ausblick für die USA.

Der Aufschwung in der deutschen Wirtschaft ist im zweiten Quartal fast zum Stillstand gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von April bis Juni nur noch um 0,1 Prozent im Vergleich zum ersten Vierteljahr, teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit. "Das ist das langsamste Wachstum seit Jahresbeginn 2009, als die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte", sagte ein Statistiker. Als Gründe für die nachlassende Dynamik gelten die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum und die schwächelnde US-Konjunktur.

Im Vergleich mit dem Vorjahresquartal legte das Bruttoinlandsprodukt kräftig um 2,8 Prozent zu. Zu Jahresbeginn waren es allerdings noch fünf Prozent. Die meisten Institute hielten in diesem Jahr bislang ein Wachstum von mehr als drei Prozent für möglich. Das arbeitgebernahe Forschungsinstitut IW bekräftigte erst zu Wochenbeginn seine Prognose von 3,5 Prozent und geht für 2012 von 2,25 Prozent aus.

"Die privaten Konsumausgaben und die Bauinvestitionen bremsten die deutsche Wirtschaft im zweiten Vierteljahr 2011", heißt es in dem Bericht des Statistischen Bundesamtes. Weil die Importe schneller stiegen als die Exporte, kamen auch vom Außenhandel negative Impulse. Dagegen zogen Investitionen der Unternehmen an und hielten die Wirtschaft damit auf Wachstumskurs. Details wollen die Statistiker am 1. September nennen.

Sparmaßnahmen belasten Exportwirtschaft

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich trotz des schwachen Wachstums der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal zuversichtlich geäußert. Insgesamt befinde man sich nun auf einem gleichen Niveau wie vor der Krise, sagte sie bei ihrem Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Paris. "Punktuelle Ereignisse" dürften nicht überbewertet werden. "Ich glaube, wir befinden uns auf einem guten Pfad", sagte Merkel.

Auch die Ökonomen reagierten gelassen, obwohl die Angst vor einem Rückfall in die Rezession zuletzt Turbulenzen an den Finanzmärkten in aller Welt verursacht hat. Die Analysten rechnen in den kommenden Monaten mit einer robusten Entwicklung in Deutschland. Auch wenn Sparmaßnahmen in Frankreich und Italien die wichtige deutsche Exportwirtschaft und damit die Konjunktur insgesamt belasten werden.

Der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Ferdinand Fichter, sagte: "Das ist zwar ein deutlicher Dämpfer, bedeutet aber kein Ende des Aufschwungs". Zudem weise der Trend in der Industrie weiterhin aufwärts. Auch der Konsum werde wieder anspringen. In der zweiten Jahreshälfte würden eine sinkende Inflation und anziehende Löhne den privaten Verbrauch stützen. Noch immer sei 2011 ein Plus von rund drei Prozent möglich. 2010 wuchs die Wirtschaft um 3,7 Prozent.

Auch in anderen führenden Industriestaaten verlangsamte sich das Wachstum im Frühjahr merklich. Die weltgrößte Volkswirtschaft USA schaffte ein Plus von rund 0,3 Prozent. Die japanische Wirtschaft schrumpfte sogar um 0,3 Prozent. In Frankreich, dem wichtigsten deutschen Handelspartner, stagnierte das Wirtschaftswachstum.

Das ohnehin mäßige Wirtschaftswachstum in Spanien schwächte sich ebenfalls weiter ab. Das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal stieg im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr um 0,2 Prozent, teilte das Nationale Statistik-Institut (INE) mit. Gegenüber dem zweiten Quartal des Vorjahres betrug das Wachstum 0,7 Prozent. Das INE führte die Entwicklung darauf zurück, dass die spanischen Exporte zwar zugenommen hätten, die Binnennachfrage aber geschrumpft sei.

In der Euro-Zone insgesamt verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2011 ebenfalls deutlich. Das Bruttoinlandsprodukt in den Ländern mit der Gemeinschaftswährung legte von April bis Juni nur um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, teilte die Europäische Statistikbehörde Eurostat mit. Dies sei auf die Schwierigkeiten der wirtschaftlich angeschlagenen Euro-Staaten sowie das gebremste Wachstum in Deutschland und Frankreich zurückzuführen.