Gemeinschaftsanleihen der Euro-Länder seien nicht die richtige Antwort auf die Schuldenkrise, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem ZDF. Der Ausweg liege in einer engeren Zusammenarbeit in der EU und speziell im Euro-Währungsraum.

Die Politik dürfe nicht einfach den Märkten folgen, sagte Merkel. Euro-Bonds zum jetzigen Zeitpunkt wären nach Ansicht der Bundeskanzlerin genau die falsche Antwort: "Sie führen in die Schuldenunion, nicht in die Stabilitätsunion." Jedes Land müsse sich um den Abbau seiner Schulden selbst kümmern. Dennoch schloss Merkel Euro-Bonds für die Zukunft nicht grundsätzlich aus: Man wisse nicht, ob man sich "in einer fernen Zukunft weiterentwickeln müsse".

Die Einführung von Euro-Bonds würde bedeuten, dass nicht mehr einzelne Staaten Schuldentitel ausgeben, sondern die Euro-Zone als Ganzes. Dadurch würde die Zinslast für hochverschuldete Länder wie Griechenland oder Italien sinken, für Länder mit geringeren Schulden wie Deutschland würde sie dafür aber höher als heute ausfallen. Dem Spiegel zufolge rechnen Beamte des Finanzministeriums bei Euro-Bonds bereits im ersten Jahr mit 2,5 Milliarden Euro höheren Zinsen, nach zehn Jahren mit 25 Milliarden zusätzlich.

Merkel: Jedes Land muss sich selbst um seine Schulden kümmern

SPD und Grüne hatten zuvor vehement für Euro-Bonds plädiert. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte dem Spiegel, die gemeinsamen Anleihen müssten allerdings an strenge Bedingungen geknüpft sein. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte, zu einer Europäischen Lösung gehöre, dass die Zinsen für die Krisenländer auf ein erträgliches Maß gesenkt würden.

Statt Euro-Bonds schwebt Merkel eine engere Zusammenarbeit in der Euro-Zone vor, bei der Brüssel die nationalen Haushalte kontrollieren könnte. An diese Idee knüpft auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an, der einen möglichen zukünftigen europäischen Finanzminister in die Diskussion brachte. Schäuble sagte, auch heute bestehe noch die Hoffnung, dass der Euro schrittweise die politische Union herbeiführen werde.

Mit dieser Union verbunden sei die Aufgabe von nationalen Souveränitätsrechten und eine Änderung der europäischen Verträge, sagte Schäuble weiter. Dass die Entwicklung jedoch noch nicht so weit sei, sei "einer der Gründe für das Misstrauen der Märkte". Die meisten Mitgliedsstaaten seien noch nicht bereit, die notwendigen Einschränkungen nationaler Souveränität hinzunehmen, sagte Schäuble weiter. "Aber glauben Sie mir, das Problem ist lösbar."