Wofür steht der Begriff Euro-Bonds?

Euro-Bonds sind gemeinsame Staatsanleihen aller Staaten der Euro-Zone. Bislang geben sämtliche Euro-Staaten eigene Anleihen heraus. Da die Kreditwürdigkeit der 17 Staaten in der Euro-Zone jeweils unterschiedlich ist, zahlen sie den Investoren auch unterschiedlich hohe Zinssätze. So müssen die Staaten mit der höchsten Bonität in der Euro-Zone, etwa Deutschland, Frankreich, die Niederlande oder Österreich, den Anlegern geringere Zinsen zahlen als die Krisenstaaten im Süden der Euro-Zone. Durch die hohen Zinsen wird es aber für die Schuldenländer noch schwieriger, ihre Haushaltsprobleme zu bewältigen.

Was wären die Vorteile von Euro-Bonds?

Gemeinsame europäische Anleihen hätten für die Krisenstaaten den Vorteil, dass ihre Zinslast sinken würde. Mit Hilfe der Euro-Bonds könnten sie sich wieder zu moderaten Konditionen Kredite besorgen – die starken Staaten würden also für die Defizite der Euro-Sünder zum Teil mitgarantieren. Allerdings würde ein anderer Teil der Schulden nach wie vor zu nationalen Zinssätzen verzinst werden – mindestens 40 Prozent müssten dies sein, fordert etwa Grünen-Chef Cem Özdemir.

Was spricht gegen Euro-Bonds?

Gegner der Euro-Bonds sagen, mit ihnen entfiele für die Krisenstaaten jeder Anreiz, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Sie würden weiter öffentliche Gelder verschwenden, solide Länder wie Deutschland müssten dafür aufkommen. Dies fürchtet auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Dann würden – so formulieren es die Euro-Bonds-Gegner – deutsche Steuerzahler für Schulden derer mithaften, die zuvor über ihre Verhältnisse gelebt haben. Befürworter wie Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker versichern deshalb, parallel solle ein Anreizsystem für verschuldete Euroländer geschaffen werden, das strikte Haushaltsdisziplin belohne.

Welche Positionen werden in der Politik vertreten? 

Als prominentester Befürworter von Euro-Bonds gilt der luxemburgische Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Allerdings wies Kanzlerin Angela Merkel Junckers Vorschlag zur Einführung gemeinsamer europäischer Anleihen Ende 2010 ab. Seither wurde es um den Juncker-Vorschlag zunächst still – bis im Zuge der Spekulationen gegen Italien, Spanien und Frankreich der Ruf nach einem Instrument wieder lauter geworden ist, das die Märkte auf Dauer beruhigen könnte. So sagte Italiens Finanzminister Giulio Tremonti am Wochenende: "Wir wären nicht da, wo wir jetzt sind, wenn wir Euro-Bonds gehabt hätten."

In Brüssel hat sich neben Juncker auch EU-Währungskommissar Olli Rehn für Euro-Bonds ausgesprochen. Die führenden Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland sind uneins. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger beispielsweise ist für diese Lösung, ifo-Chefvolkswirt Kai Carstensen spricht von einer "hanebüchenen Idee".

Was würden Euro-Bonds für Deutschland kosten?

Das ist höchst umstritten. Kai Carstensen etwa kalkuliert, dass Deutschland einen deutlichen Zinsaufschlag von 2,3 Prozentpunkten zahlen müsste. Unter dem Strich entspräche dies jährlichen Mehrkosten von gut 47 Milliarden Euro, errechnete er für die Welt am Sonntag. Euro-Bonds-Befürworter meinen dagegen: Staatsbankrotte und ein Auseinanderbrechen der Eurozone kämen für Deutschland teurer als die gemeinsamen Bonds.