Zwei bis fünf Milliarden Euro soll die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag ausgegeben haben, um italienische und spanische Anleihen zu kaufen, berichten Börsenhändler. Das ist viel Geld, und es hat zumindest vorübergehend geholfen. Die Kurse der Krisenanleihen stabilisierten sich .

Aber die Verschnaufpausen werden immer kürzer. Auch dem Milliarden-Eingriff der EZB könnte nur vorübergehender Erfolg beschieden sein. Nervöse Anleger brauchen klare politische Botschaften, doch in Europa hält die Auseinandersetzung über das weitere Vorgehen in der Krise an. Dabei hatten die Mächtigen der Welt noch am Sonntagabend versucht, Einigkeit zu demonstrieren: Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten versprachen, alles Nötige zu tun, um Stabilität und Wirtschaftswachstum zu gewährleisten.

Doch schon einen Tag später flackerte der alte Streit der Europäer wieder auf. Deutschland sah sich genötigt, zu betonen, der Rettungsfonds EFSF werde die von der EZB gekauften Papiere keinesfalls zu einem späteren Zeitpunkt übernehmen, und die vom Fonds bereitgestellte Summe werde auch nicht erhöht. Das ist – erneut – ein klarer Widerspruch zur Position des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Ökonomen berechneten derweil, dass der EFSF auf mindestens 1,5 Billionen Euro wachsen müsse . Skeptiker rechnen gar mit einer Summe von 3,5 Billionen Euro, die nötig sei, um im Notfall auch Italien und Spanien zu retten. Zum Vergleich: Bislang verfügt der Fonds über 750 Milliarden, und er kann nur 440 Milliarden Euro verleihen. Fast 200 Milliarden davon hat er schon ausgegeben. Italien steht aber mit 1,8 Billionen Euro in der Kreide.

Die Zahlen zeigen: Die EZB kann die Krise nicht alleine bekämpfen. Es wäre auch nicht wünschenswert, ihr die Rolle des Nothelfers ganz zu überlassen, denn ihre Anleihekäufe bereiten den Boden für eine höhere Inflation. Überdies gehört es nicht zu ihren Aufgaben, hoch verschuldete Staaten zu unterstützen. Sie tut es trotzdem, weil die Politik in der Krise nicht schnell genug agiert.

Wenn die Europäer die Krise eindämmen wollen, müssen sie den Anlegern zwei Botschaften glaubhaft vermitteln: Die Schuldner müssten willens und in der Lage sein, ihre Finanzen wieder in den Griff zu bekommen. Weil die Sanierung der öffentlichen Haushalte aber lange braucht, müssten die Retter unzweifelhaft klar machen, dass sie bereit sind, alles zu tun, die Schuldenstaaten in der Zwischenzeit zu schützen. Je länger diese Krise anhält, desto schwieriger wird es, die Märkte von beidem zu überzeugen.