Unter dem anhaltenden Druck der Schuldenkrise wird nun auch wieder die Europäische Zentralbank (EZB) aktiv. EZB-Chef Jean-Claude Trichet sagte, dass die Notenbank ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen unmittelbar wieder aktivieren könnte. Händler bestätigten kurz darauf, die EZB kaufe portugiesische und irische Staatsanleihen am Sekundärmarkt an.

Zuvor hatte Trichet betont, er habe niemals gesagt, dass das Programm ruhe. "Es ist ein fortlaufendes Programm, und wir sind absolut transparent. Wir haben bei unseren Treffen das Anleihe-Aufkaufprogramm der EZB (SMP) immer diskutiert. Sie werden sehen, was wir tun", sagte Trichet.

Wie viele Staatsanleihen die EZB kauft, wird frühestens nächsten Montag bekannt. Die EZB gibt dazu nur einmal pro Woche Zahlen bekannt.

Leitzins bleibt bei 1,5 Prozent

Die EZB hatte seit März keine Staatsanleihen mehr gekauft, und jüngste Äußerungen von Vertretern der Notenbank hatten nahegelegt, dass das Programm faktisch außer Betrieb sei. Nachdem zuletzt Spanien und Italien an den Finanzmärkten unter Druck gerieten, wurden allerdings Forderungen laut, dass die EZB wieder aktiv wird.

Die Euro-Staaten haben auf ihrem jüngsten Gipfel beschlossen, dass künftig auch der Euro-Rettungsschirm EFSF auf Empfehlung der EZB Staatsanleihen am Sekundärmarkt kaufen darf. Dem müssen aber noch die nationalen Parlamente zustimmen, was voraussichtlich nicht vor Ende September der Fall sein wird. 

Die EZB beließ den Leitzins unterdessen vorerst unverändert bei 1,5 Prozent. Der EZB-Rat hatte ihn zuletzt im Juli um 0,25 Punkte angehoben. Volkswirte rechnen damit, dass er bis zum Jahresende noch einmal erhöht werden könnte. Dafür sprechen hohe Inflationsraten. Der Leitzins ist der wichtigste Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld.