Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geht die leichte Schwächung des Frankens in der vergangenen Woche nicht weit genug. Sie hält die Schweizer Währung nach wie vor für deutlich überbewertet und hat deshalb angekündigt, die Liquidität auf dem Geldmarkt nochmals zu erhöhen. Damit greift die Notenbank bereits zum dritten Mal in diesem Monat zu der Maßnahme, um die Geldbeschaffung für die Banken zu erleichtern.

Märkte zeigen sich unbeeindruckt

An den Devisenmärkten stellte sich jedoch nicht die gewünschte Wirkung ein. Im Gegenteil: Euro und Dollar verbilligten sich gegenüber dem Franken deutlich. Händler verwiesen darauf, dass am Markt noch stärkere Maßnahmen erwartet worden seien. Die Anleger seien enttäuscht, dass die SNB keine Wechselkursanbindung bekannt gegeben habe, sagten Analysten.

"Der Markt hat sich auf wesentlich radikalere Maßnahmen seitens der SNB eingestellt, beispielsweise einen festen Wechselkurs", sagte Lena Komileva von der Investmentbank Brown Brothers Harriman. "Jetzt haben sie noch einmal das Gleiche getan. Das reicht in einem Umfeld mit Investoren auf der Suche nach einem sicheren Hafen nicht aus."

Die SNB bekräftigte, dass sie auch weitergehende Schritte nicht ausschließe. Am Markt gab es Gerüchte, dass sie gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen die Franken-Aufwertung vorgehen könnte.

Heimische Wirtschaft leidet unter starkem Franken

Der Franken war in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Euro im Aufwind, weil er derzeit als sicherere Währung für Anleger gilt. Exportorientierte Schweizer Unternehmen leiden darunter besonders. In den grenznahen Regionen kaufen die Kunden lieber im Euro-Raum, obwohl dort auch der Schweizer Einzelhandel vereinzelt bereits seine Waren zum Euro-Kurs anbietet.

Der größte Einzelhändler der Schweiz, die Migros, hat bereits angekündigt, die Preise von über 500 Markenartikeln zu senken. Erste Verhandlungen mit Lieferanten seien erfolgreich verlaufen, sagte der Großverteiler. Die Schweizer Supermarktkette Coop hat sogar Waren aus den Regalen genommen, weil sie sich mit den Lieferanten nicht auf Preissenkungen hat einigen können.