Mit scharfer Kritik an der US-Schuldenpolitik hat China auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Rating-Agentur S&P reagiert. Als größter Gläubiger habe China "jetzt alles Recht, von den USA zu fordern, dass diese ihr strukturelles Schuldenproblem in den Griff bekommen und die Sicherheit von Chinas Dollar-Vermögen sicherstellen", hieß es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. 

Xinhua warf den USA eine "kurzsichtige" Politik vor und forderte Kürzungen der "riesigen Militärausgaben" und der "aufgeblähten Sozialausgaben". Die USA müssten ihre "Schuldensucht heilen". Sonst sei die jetzige Herabstufung nur der Auftakt zu noch verheerenderen Bonitätsnoten. Die Zeiten, als sich die USA ihre Probleme einfach durch neues Schuldenmachen vom Hals hätten schaffen können, seien endgültig vorbei.

Die Rolle des US-Dollars müsse international überprüft werden, hieß es in dem Kommentar weiter. Eine Option sei eine neue stabile weltweite Reservewährung. Dadurch könne sichergestellt werden, dass nicht ein einziges Land eine Katastrophe auslöse.

Es ist nicht das erste Mal, dass China eine neue Leitwährung fordert. Bereits 2009 hatte die chinesische Zentralbank sich für eine neue globale Reservewährung ausgesprochen. Die USA haben dies bislang abgelehnt.

Chinas Außenminister fordert gemeinsame Geldpolitik

Bereits am Freitag hatte sich der chinesische Außenminister besorgt geäußert, dass die Schuldenkrise in den USA eskaliere. Yang Jiechi warnte vor steigenden Risiken und verlangte eine "verantwortungsvolle" Geldpolitik. Die US-Regierung müsse die Dollar-Investitionen anderer Länder schützen.

Angesichts der Schuldenprobleme in den USA und Europa forderte er alle Länder auf, ihre Zusammenarbeit zu verstärken. Zugleich kündigte er an, weiter die EU und den Euro zu unterstützen. Details nannte er nicht. China hat unter anderem in Staatsanleihen von klammen Euro-Staaten investiert.

Frankreich sieht US-Wirtschaft nicht in Gefahr

Frankreich macht sich trotz der amerikanischen Schuldenkrise keine Sorgen um die US-Wirtschaft. Wirtschaftsminister François Baroin sagte, Frankreich habe "uneingeschränktes Vertrauen in die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft". Baroin lobte die US-Regierung für ihr "entschlossenes Vorgehen", um die Schulden in den Griff zu bekommen. Die Herabstufung der US-Bonität durch die Rating-Agentur Standard & Poor's dürfe man nicht überbewerten. Schließlich würden die USA von den anderen beiden Rating-Agenturen Moody's et Fitch weiterhin mit der Bestnote AAA bewertet.

Standard & Poor's hatte in der Nacht die langfristige Kreditwürdigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft um eine Stufe auf AA+ gesenkt. Die Rating-Agentur zog damit Konsequenzen aus dem langwierigen Schuldenstreit in den USA. Es ist das erste Mal, dass die USA ihre Spitzenbonitätsnote bei einer führenden Rating-Agentur verloren.

Die deutsche Bundesregierung wollte sich nicht zur US-Schuldenkrise äußern. "Einfach mal die Klappe halten", wäre ein gutes Motto der Stunde, hieß es am Samstag aus deutschen Regierungskreisen lediglich.