Die amerikanische Wirtschaft hat eine Kehrtwende hinter sich: Die Finanzkrise und die steigenden Schulden haben ein "A" aus dem S&P-Rating radiert, auf das die Nation so stolz war. Nun fragen sich die Investoren, ob ihr Geld in den USA überhaupt noch sicher ist. Was die Zukunft bringt, wird davon abhängen, wie das Land aus dem Abschwung herauskommt. Wenn die USA wieder der sicherste Anlagemarkt der Welt werden wollen, dann muss die Regierung unbedingt ein Problem angehen – das gefährlichste Problem von allen: die Langzeitarbeitslosigkeit.

Lange Phasen hoher Arbeitslosigkeit bergen harte Lektion für die Unternehmen eines Landes: Nur Betriebe, die Entbehrungen aushalten können, bleiben bestehen. In den USA leiden Einzelhandel und produzierendes Gewerbe darunter, dass die Verbraucher sehr wenig ausgeben, seit die Rezession vor zwei Jahren ihren Tiefpunkt erreichte. Auch die Unternehmen haben ihre Ausgaben reduziert.

Das Problem: Die Amerikaner können kaum mehr konsumieren, denn sie verdienen dafür nicht genug. Das mittlere Haushaltseinkommen stagniert nahezu. Das lässt in naher Zukunft nicht auf Ausgabenanreize hoffen. Und, noch schlimmer: Es zeigt, dass die Unternehmen sich immer noch weigern, neue Jobs zu schaffen.

Nachdem die Finanzkrise 2008 die Märkte in den USA und in Europa zum Absturz brachte, haben Verbraucher in Südamerika und in Asien Deutschlands Exportwirtschaft wieder auf die Beine geholfen. Schwellenmärkte wie beispielsweise China befinden sich aber heute im Abschwung – die USA können also nicht auf einen ähnlichen Effekt hoffen.

Stattdessen könnten sie in eine neue Rezession rutschen, wenn das Wirtschaftswachstum nicht zulegt. Die Konsumnachfrage ist niedrig; Firmen haben Probleme, Gewinne zu erwirtschaften. Beides hat dazu geführt, dass die Preise für Güter wie Kleidung, Kaffee und Lebensmittel anstiegen. Es droht eine Inflation, und zusammen mit der hohen Arbeitslosigkeit könnte das bedeuten, dass den USA noch schwierigere Zeiten bevorstehen – wenn sie nicht schnell etwas dagegen tun.

Auch der Vorsitzende der Notenbank Ben Bernanke fordert inzwischen, dass die Regierung handeln muss. "Fiskalpolitiker dürfen nicht außer Acht lassen, wie fragil die wirtschaftliche Erholung ist", sagte er am Wochenende bei einem jährlichen Treffen politischer Entscheidungsträger in Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming.