Die Kurse an den Börsen in Europa sind erneut stark abgefallen. In Frankfurt fiel der Dax um mehr als fünf Prozent und landete auf einem neuen Zweijahres-Tief. Auch die meisten europäischen Indizes büßten drei bis fünf Prozent ein. "Die Lawine ist ins Rollen gekommen", sagte ein Aktienhändler. Die Werte von Finanzinstituten litten vor allem unter einer Vertrauenskrise, fügte ein weiterer hinzu.

Am Handelsplatz in Paris verlor der bedeutendste Index CAC-40 mehr als fünf Prozent, ebenso der Leitindex am Handelsplatz in Mailand. An der Londoner Börse ging der Index FTSE-100 um mehr als drei Prozent nach unten. Die Börsen in den USA hatten aufgrund eines Feiertags geschlossen.

Besonders von Verlusten betroffen waren Bankenaktien. Der Kurs der Deutschen Bank fiel bis zum Nachmittag um 8,6 Prozent auf 23,79 Euro. Die Commerzbank-Aktie ging um knapp sechs Prozent nach unten, auf 1,81 Euro. An der Pariser Börse verloren die Aktien der Großbank Société Générale bis zum Nachmittag um 8,6 Prozent, BNP Paribas büßte 5,8 Prozent ein. Auch italienische, britische und Schweizer Institute mussten herbe Einbußen hinnehmen. 

 Mehrere Ursachen für den Kurs-Einbruch

Mehrere Ursachen könnten zu dem Einbruch beigetragen haben. Nachdem die US-Aufsichtsbehörde FHFA am Samstag angekündigt hatte, 17 Großbanken zu verklagen, machte sich gleich zum Handelsstart die Sorge vor hohen Straf- oder Vergleichszahlungen bemerkbar. Hinzu kommen die anhaltenden Schulden-Probleme in der Euro-Zone, in den USA und auch in Japan.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte auf einer Tagung in Frankfurt am Main, die aktuelle Verwerfung an den Kapitalmärkten "erinnert an den Herbst 2008", also an die Phase vor dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehmann-Brothers.

Gleichzeitig sagte Ackermann, der europäische Bankensektor sei "im Vergleich zu damals heute deutlich besser kapitalisiert und weniger von kurzfristiger Liquidität abhängig". Darüber hinaus hätten die Banken in ihren Bilanzen giftige Wertbestände abgebaut und ihr Risikomanagement verbessert. Sollten die Finanzmarktturbulenzen aber auf die Realwirtschaft übergreifen, gebe es anders als 2008 und 2009 kaum oder keinen Spielraum, von staatlicher Seite die Wirtschaft zu stützen.

Die Banken der Euro-Zone deponieren derzeit mehr und mehr Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Einlagen für 24 Stunden betrugen laut EZB am Freitag 151 Milliarden Euro, ein Rekordhoch. Die Höhe der Banken-Einlagen bei der EZB ist ein Indikator für den Interbanken-Verkehr und damit für das Vertrauen in die Banken untereinander. Je mehr sie bei der EZB deponieren, um so weniger vertrauen sie sich gegenseitig.