Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hat den Vorstoß des Internationalen Währungsfonds (IWF) für eine Zwangskapitalisierung europäischer Kreditinstitute zurückgewiesen. Die Vorschläge seien wenig hilfreich "und im Übrigen in der Sache nicht gerechtfertigt", sagte er. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte gefordert, die europäischen Staaten sollten ihre Banken mit frischem Kapital unterstützen. Notfalls müssten öffentliche Geldmittel eingesetzt werden.

Nach IWF-Schätzungen könnten den Kreditinstituten wegen der Euro-Schuldenkrise bis zu 200 Milliarden Euro an Kapital fehlen, hatte es in Medienberichten geheißen. Es sei eine Binsenweisheit, "dass es zahlreiche europäische Banken nicht verkraften würden, müssten sie im Bankbuch gehaltenen Staatsanleihen auf Marktwerte abschreiben", sagte Ackermann. Auch aus diesem Grund seien Hilfspakte für Euro-Schuldenstaaten vereinbart worden. Es würde die Glaubwürdigkeit dieser Maßnahmen unterminieren, "würde die Politik nun durch eine Zwangskapitalisierung selbst das Signal senden, dass sie an den Erfolg der Maßnahmen nicht glaubt". Zudem würden die Schulden der betroffenen Länder weiter steigen.

Ackermann schließt zudem ein Sparprogramm bei seiner Bank nicht aus, sollten die Turbulenzen auf den Finanzmärkten anhalten. "Wenn es ganz negativ weitergeht wie im August, werden wir solche Maßnahmen ins Auge fassen müssen", sagte Ackermann. Derzeit sehe er allerdings keine Notwendigkeit für Kostensenkungen und Stellenabbau. "Wir haben uns sehr gut vorbereitet auf schwierige Zeiten", sagte er.

Sollten sich die schlechten Aussichten im Investmentbanking fortsetzen, werde auch die Deutsche Bank über Kostensenkungen nachdenken müssen. Das Institut erwarte aber eher ein Beruhigung der Finanzmärkte. Mehrere internationale Banken haben bereits den Abbau von Tausenden Stellen angekündigt. Zuletzt war über ähnliche Programme bei der Deutschen Bank spekuliert worden.

Der scheidende Deutsche-Bank-Chef kündigte außerdem an, im nächsten Frühjahr auch den Vorsitz des Weltbankenverbands IIF abgeben zu wollen.