Bundeskanzlerin Angela Merkel hat erneut entschiedene Reformen in den beiden Euro-Ländern Italien und Griechenland gefordert. "Die Lage ist extrem fragil", sagte die CDU-Parteichefin in der Sitzung der Unions-Bundestagsfraktion nach Angaben von Teilnehmern. Zuvor hatte sie im CDU-Präsidium darauf beharrt, die beiden hoch verschuldeten Euro-Staaten müssten die versprochenen Reformen umsetzen.

Forderungen aus den eigenen Reihen nach einem Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone wies Merkel aber klar zurück. "Ich glaube, dass wir damit einen Domino-Effekt einleiten könnten, der außerordentlich gefährlich für unser Währungssystem ist", sagte die Kanzlerin. Es sei aber wichtig, dass Griechenland seine Reform-Zusagen als Gegenleistung für die Notkredite auch umsetze und einhalte.

In der schwarz-gelben Regierungskoalition war Kritik an Griechenland laut geworden, weil die Spar- und Reformbemühungen des Landes offenbar deutlich hinter den vereinbarten Zielen zurückbleiben. Der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, Wolfgang Bosbach und der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms legten den Austritt des Landes aus der Euro-Zone nahe. Es sei zu überlegen, ob der "Weg über eine Umschuldung und einen Austritt aus dem Euro nicht für die Währungsunion und Griechenland selbst" die besseren Perspektiven bietet, sagte der FDP-Politiker Solms.

Barroso sieht Fortschritte in Griechenland

Anlass für die Äußerungen sind neue Irritationen über die Fortschritte Griechenlands auf seinem Sparkurs. Am Wochenende hatten die Inspektoren der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds überraschend das Land verlassen. Sie sollten die Erlaubnis geben für die Auszahlung einer weiteren Kredittranche aus dem ersten Hilfspaket für Griechenland. Bereits die Freigabe der letzten Tranche hatte sich wochenlang verzögert, weil die Prüfer die Lage des Landes negativ bewerteten.

Trotz der Abreise der EU-Vertreter aus Griechenland zeigte sich Kommissionspräsident José Manuel Barroso zuversichtlich, dass die Regierung in Athen ihre Zusagen gegenüber den Euro-Partnern einhalten werde. Das Land habe "einige wichtige Hinweise" gegeben, dass "die Verpflichtungen eingehalten werden", sagte Barroso ohne Nennung von Details.

Ein Austritt Griechenlands aus dem gemeinsamen Währungsgebiet ist auch für den ständigen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy keine Lösung für die Krise. "Ein Austritt aus der Euro-Zone würde mehr Probleme für das Land und die Euro-Zone bringen", sagte der Belgier.