Eine Telefonkonferenz der griechischen Regierung mit der sogenannten Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) ist am Montagabend ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos sagte lediglich, das Gespräch sei "produktiv und substanziell" gewesen. Es müsse jedoch noch einige Arbeit geleistet werden. Eine weitere Telefonkonferenz wurde für Dienstagabend vereinbart.

Der IWF ermahnte Griechenland eindringlich, die Auflagen für weitere Milliardenhilfen zu erfüllen. "Der Ball liegt im griechischen Feld. Die Umsetzung ist entscheidend", forderte IWF-Inspekteur Bob Traa vor der Telefonkonferenz. Er äußerte sich besorgt über den langwierigen politischen Prozess. "Das Bild sieht aus wie das Kardiogramm eines Toten, nichts bewegt sich", sagte Traa. Die vereinbarten Privatisierungen in Höhe von 50 Milliarden Euro bis 2015 lägen hinter dem Zeitplan, weil die griechischen Politiker uneins über die Abwicklung seien. "Wenn Ihr weiter wartet, wird das Land zahlungsunfähig werden", warnte Traa. Zudem werde so der Preis für die Staatsbeteiligungen weiter sinken.

Griechische Regierung zeigt sich einsichtig

Die griechische Regierung hat den Ernst der Lage aber offenbar erkannt. "Wenn wir einen Zahlungsausfall vermeiden, die Situation stabilisieren und in der Euro-Zone bleiben wollen, müssen wir umfassende strategische Entscheidungen treffen", sagte Venizelos nach einer Kabinettssitzung. Allerdings forderte er, Griechenland dürfe nicht zu einem "Sündenbock" für das schlechte Management der Schuldenkrise durch die Euro-Zone werden. In der Frage der Privatisierungen sagte er, die internationale Gemeinschaft müsse mit "zuverlässigen Angeboten" auf Griechenlands Verkaufsvorschläge reagieren.

Die Finanzmärkte reagierten am Montag enttäuscht auf die anhaltende Unsicherheit. Der Euro fiel zeitweilig unter die Marke von 1,36 Dollar. Der deutsche Aktienindex Dax gab am Nachmittag um 3,8 Prozent nach und ging mit einem Minus von 2,8 Prozent aus dem Handel. Investoren forderten außerdem höhere Risikoaufschläge für Anleihen von Staaten wie Griechenland, Italien oder Spanien.

Griechenland braucht im Oktober die nächste Hilfszahlung von acht Milliarden Euro, um Löhne und Gehälter auszahlen zu können. Die Entscheidung über die Auszahlung vertagten die EU-Finanzminister auf Anfang Oktober.