Die Nachricht traf die Menschen in Griechenland am vergangenen Wochenende vollkommen unerwartet. Wieder soll es eine neue Steuer gegeben, mit der die Regierung das Defizit des Landes verringern will. Noch im Juli hatte Ministerpräsident Giorgos Papandreou versprochen, es werde vorerst bei den beschlossenen Sparmaßnahmen bleiben . Damals hatte der Premier harte Einschnitte für die Bevölkerung durch das Parlament gebracht – trotz tagelangen Generalstreiks und landesweiter Proteste. Nun ist die Stimmung eine andere.

Die Wirtschaft in Griechenland schrumpft stärker als erwartet, in diesem Jahr um mehr als fünf Prozent. Die Steuereinnahmen sinken weiter. Auch bei der Privatisierung der Staatsbetriebe kommt die Regierung nicht voran. Zudem blockieren die mächtigen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes den Stellenabbau in der überdimensionierten Verwaltung. Die Probleme werden größer, nicht kleiner.

Mit der neuen Steuer auf Immobilien dürfte die Regierung noch ein weiteres Problem bekommen: Weil sich die Finanzverwaltung nicht imstande sieht, das Geld selbst einzutreiben, sollen die Abgaben über die Rechnung der staatlichen Stromgesellschaft eingezogen werden. Schon aber hat die Gewerkschaft der Stromgesellschaft DEI angekündigt, das Verfahren zu behindern: "Wir werden es unter keinen Umständen erlauben, dass die DEI als Instrument der Steuereintreibung benutzt wird", sagte Gewerkschaftschef Nikolaos Fotopoulos.

Neun von zehn Griechen lehnen Politik der Regierung ab

Diese Haltung spiegelt die Stimmung im Land wider: Das Vertrauen in die Regierung Papandreou und die politische Klasse ist geschwunden. Einer Umfrage der Tageszeitung Kathimerini zufolge lehnen neun von zehn Griechen sowohl die Politik der Regierung als auch die der Opposition ab. Die einflussreiche Zeitung To Vima nennt Papandreou in einem Kommentar nur noch den "Feldherrn der Niederlage".

Die Bevölkerung traut der Regierung nicht mehr zu, die Schuldenprobleme des Landes zu lösen. Es herrscht große Verzweiflung, allgemeine Resignation. Selbst die jüngsten Äußerungen aus Deutschland haben in diesem Klima kaum Widerstand ausgelöst. Sehr genau hat die griechische Presse registriert, dass sich Wirtschaftsminister Philipp Rösler als Mitglied der deutschen Regierung offen für "eine geordnete Insolvenz" des Landes ausgesprochen hat. Auch wurde berichtet, dass in Berlin offenbar an einem solchen Plan-B längst gearbeitet werde.

Vor einigen Monaten noch hätten solche Äußerungen einen Sturm der Entrüstung bei griechischen Politikern, Journalisten und Demonstranten ausgelöst. Nun aber scheint es eine stille Zustimmung auch für derart drastische Szenarien zu geben. Viele Griechen glauben, dass weitere Sparmaßnahmen zu keinem Ergebnis führen und dass es einen anderen Weg aus der Krise geben muss.