Die EU-Kommission sieht "gute Fortschritte" in den Gesprächen mit der griechischen Regierung über weitere Hilfszahlungen. Voraussichtlich Anfang kommender Woche würden die Vertreter der Gläubiger in die griechische Hauptstadt zurückkehren, um weiter zu prüfen, ob die Reformen der Regierung erfolgreich sind, teilte die Kommission nach einem Telefonat der Experten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos mit. "Die technischen Diskussionen werden in Athen in den kommenden Tagen fortgesetzt." Ähnlich hatte sich zuvor bereits das griechische Finanzministerium geäußert. 

Von dem Ergebnis der Untersuchung hängt ab, ob das überschuldete Griechenland die dringend benötigten weiteren Hilfen in Höhe von acht Milliarden Euro erhält. Die Vertreter von EU, IWF und EZB hatten den Mittelmeerstaat wegen Unstimmigkeiten über weitere Sparschritte am 2. September überraschend verlassen.

Die Griechen müssen sich nun auf weitere drastische Kürzungen gefasst machen. Ministerpräsident Giorgos Papandreou berief eine Sondersitzung des Kabinetts in Athen ein, um diese Sparmaßnahmen zu beschließen. Die Gewerkschaften rechnen mit Zehntausenden Entlassungen im staatlichen Bereich, Kürzungen von Renten und Gehältern von Staatsbediensteten und neuen indirekten Steuern für Tabak und Spirituosen.

Preis von Heizöl an Diesel angleichen

Erwartet wird auch, dass das Heizen teurer wird, weil der Preis von Heizöl an den für Diesel angeglichen werden könnte. Zudem soll, wie bereits beschlossen, eine neue Immobilien-Sondersteuer erhoben werden. Jeder Besitzer eines Hauses oder einer Wohnung soll je nach Wert der Immobilie zwischen 0,5 bis 16 Euro pro Quadratmeter zahlen.

Die Regierung in Athen will den überdimensionierten Staatsapparat drastisch verkleinern. Die Zahl der Staatsbediensteten solle sich im Vergleich zu 2009 um 50.000 sofort und bis 2015 um weitere 100.000 verringern, kalkuliert die griechische Presse. 117 staatlich unterstützte Betriebe sollen sobald wie möglich schließen. Im Staatssektor arbeiten nach offiziellen Angaben mehr als 700.000 Bedienstete, hinzu kommen rund 200.000 Mitarbeiter in staatlich subventionierten Unternehmen wie dem Fernsehen oder der Elektrizitätsversorgung.

Die Gewerkschaften haben bereits Streiks für den 6. Oktober angekündigt. Viele Beobachter gehen davon aus, dass die allein regierenden Sozialisten dem Druck nicht werden standhalten können. Sie schließen vorgezogene Wahlen oder die Bildung einer großen Koalition mit den Konservativen nicht aus.

Trotz der prekären Haushaltslage hat sich die Regierung in Athen eine kleinere Summe auf dem Finanzmarkt beschaffen können. Nach Angaben des Finanzministeriums wurden 1,625 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 13 Wochen aufgenommen. Der Zinssatz beträgt 4,56 Prozent; leicht höher als im August dieses Jahres, als Griechenland sich eine ähnliche Summe lieh – damals zu 4,50 Prozent. Griechenland braucht dringend diese kleineren Summen. Es gehe dabei auch darum, die Märkte zu testen, erklärten Beobachter.