Die Wirtschaftsleistung Griechenlands ist im zweiten Quartal stark gesunken. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts fiel höher aus als erwartet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank es im zweiten Quartal um 7,3 Prozent, teilte das griechische Statistikamt mit. Ursprünglich waren die Statistiker von einem Rückgang von 6,9 Prozent ausgegangen. Auch für das erste Quartal korrigierte das Amt die Zahlen noch weiter nach unten. Das Minus betrug demnach von Januar bis März 8,1 Prozent.

Die griechische Regierung geht für das Gesamtjahr derzeit von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 5,0 Prozent aus. Im vergangenen Jahr war die Wirtschaft in Griechenland um 4,5 Prozent zurückgegangen. Hintergrund sind stark sinkende Investitionen und Exporte, auch die von den Sparmaßnahmen getroffenen Verbraucher haben ihre Ausgaben eingeschränkt.



Wirtschaftsminister Michalis Chrisochoidis hatte angekündigt, dass Griechenland seine zugesagten Schuldenabbauziele trotz des verstärkten Drucks der internationalen Geldgeber in diesem Jahr nicht einhalten werde. "Das Defizit wird höher sein als vereinbart, aber das ist der Rezession geschuldet", sagte der Wirtschaftsminister. "Mit den neuen Maßnahmen wird das Defizit ein Stück niedriger ausfallen, aber es scheint unmöglich, die ursprüngliche Zielmarke von 7,6 Prozent zu erreichen."

Tausende protestieren in Athen

Unterdessen haben in Griechenland am Donnerstag Tausende Taxifahrer und Studenten gegen die Sparmaßnahmen der Regierung protestiert. Die Taxiunternehmer streikten, um gegen die geplante Liberalisierung ihres Geschäftssektors zu protestieren. Der Gesetzentwurf "zerstöre den Sektor" und "diene den Interessen der Großunternehmer", kritisierte die Taxifahrer-Vereinigung Poeiata. Er sei der "Grabstein" für 70.000 Familien.

Der Gesetzentwurf macht die Gründung von Taxigesellschaften nach bestimmten Vorschriften möglich und erlaubt den Kauf und Verkauf von Taxilizenzen. Bisher wurden solche Geschäfte unter der Hand gemacht, was den Umlauf von Schwarzgeld begünstigte. Zudem sollen nach dem Willen der Regierung genaue Kriterien für den Erwerb von Taxilizenzen aufgestellt werden, um die oft schlechte Qualität in dem Geschäft zu erhöhen.

Gleichzeitig demonstrierten in Athen rund zweitausend Studenten gegen die im August vom Parlament beschlossene Universitätsreform. Sie soll griechische Abschlüsse an das europäische System angleichen, öffnet die Fakultäten für den Arbeitsmarkt, gibt ihnen die Möglichkeit privater Finanzierung und soll die Mitbestimmung der Studentenorganisationen in der Universitätsverwaltung beenden.