Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für das zweite Halbjahr stark nach unten korrigiert. "Das Wachstum verläuft viel langsamer als wir vor drei Monaten dachten, das Risiko eines Negativwachstums ist gestiegen", sagte OECD-Chefökonom Pier Carlo Padoan bei der Vorstellung des Interims-Wirtschaftsausblicks. Für Deutschland rechnet die Organisation im vierten Quartal sogar damit, dass die Wirtschaftsproduktion schrumpft. Zwischen Oktober und Dezember werde das Bruttoinlandsprodukt mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,4 Prozent zurückgehen.

In der üblichen Rechnung entspricht dies einem Rückgang auf Quartalssicht von rund 0,3 Prozent. Anfang des Jahres hat die deutsche Wirtschaft noch um 1,3 Prozent von Quartal zu Quartal zugelegt, im Frühjahr schaffte sie nur noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent.

Sollten die Prognosen eintreffen, wäre Deutschland im Schlussquartal 2011 die schwächste große Industrienation der Welt. Für Länder wie die USA, Frankreich oder Kanada sagen die Volkswirte noch Wachstum voraus. Die Regierungen in Washington und Paris können von Oktober bis Ende Dezember beispielsweise ein auf das Jahr hochgerechnetes Quartalswachstum von 0,4 Prozent erwarten. Für Italien erwartet die OECD für das dritte Quartal eine Rate von minus 0,1 Prozent.

Insgesamt wird in den sieben größten Industriestaaten (G 7) im zweiten Halbjahr mit einem Wachstum unter einem Prozent gerechnet. Ein Einbruch wie nach der Finanzkrise 2008 werde aber nicht erwartet. Die Unsicherheit der jüngsten Prognosen sei aber relativ hoch. Insbesondere seien die Folgen der staatlichen Schuldenkrisen in Europa und den USA sowie der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten noch nicht vollständig berücksichtigt. Die OECD-Prognose nimmt Japan von den G-7-Staaten aus, das wegen des Erdbebens im März in einer besonderen Situation ist. Dort rechnet die OECD im zweiten Halbjahr wegen des Wiederaufbaus mit einem besonders starken Wachstum.