Eine Windanlage zu entsorgen ist eigentlich kein Problem – schließlich ist der Turm-Stahl begehrt, auch das Kupfer aus den Turbinen findet Abnehmer.

Anders sieht es allerdings bei den Flügeln und den Gondeln aus, welche die Turbinen beherbergen. Das sind sperrige Teile aus Glasfaserkunststoffen, die sich nicht ohne Weiteres recyceln lassen. Nach einer Branchenstudie werden davon weltweit zukünftig etwa 50.000 Tonnen jährlich anfallen, rund ein Drittel davon in Deutschland.

Doch wohin damit? Bislang wurden die Flügel mit riesigen Baggerscheren einfach kleingeschnitten und landeten auf der Deponie. Das ist allerdings seit einigen Jahren verboten.

Eine Nische witterte Zajons Logistik aus Melbeck in Niedersachsen. Das Entsorgungsunternehmen baute für sechs Millionen Euro eine Testanlage zur Zerkleinerung der Rotorflügel und tat sich mit dem Zementhersteller Holcim zusammen. Der kann einen Teil der zerkleinerten Flügel als Ersatzbrennstoff in seinen Zementöfen einsetzen.

So entsteht am Ende Zement aus geschredderten Windradflügeln. Von "geschlossenen Stoffkreisläufen" schwärmt Holcim. Recycling in seiner Perfektion. Denn am Ende kann der Zement natürlich zur Herstellung von Beton verwendet werden. Und aus Beton sind wiederum die Fundamente von Windkraftanlagen.

Die Geschichte hat nur einen Haken. "Wir bekommen nur sehr wenige Rotorflügel", sagt Jörg Lempke, Geschäftsführer von Zajons Logistik. Die Anlage ist auf eine Kapazität von 60.000 Tonnen ausgelegt, das entspricht jährlich einigen Tausend Flügeln. Doch bislang erreicht Lempke gerade einmal zehn Prozent.

Den Windparkbetreibern ist das Recycling schlicht zu teuer. Mehrere Tausend Euro kostet es je Flügel. Da ist es teilweise günstiger, ausrangierte Flügel einfach einzulagern. Doch bei den zukünftig anfallenden Mengen sei dies keine Lösung mehr, so Lempke – der natürlich gerne seine Anlage ausgelastet sehen würde. "Wie in der Auto- und der Verpackungsindustrie brauchen wir gesetzlich vorgeschriebene Recyclingquoten für Windanlagen", fordert er.

Für seine ausrangierten Windräder interessiert sich auch Enercon, der größte deutsche Windradhersteller aus dem ostfriesischen Aurich. Zurzeit arbeitet das Unternehmen – im Anfangsstadium – an einem Verfahren, um die Rotorblätter wiederaufzubereiten und erneut zu Rotorblättern zu verarbeiten.

Ob das allerdings langfristig eine Lösung sein kann, ist noch ungeklärt. Um optimal recyceln zu können, müsse man entsprechende Stückzahlen erreichen, heißt es bei Enercon. Wie allerdings komme man an die Rotorblätter, wenn die Anlagen verkauft seien? Einen gesetzlich geregelten Recyclingweg lehnt Enercon daher mittelfristig nicht prinzipiell ab. Man werde um das Thema nicht herumkommen, so Enercon.