Als das World Trade Center am 11. September 2001 zusammenbrach, glaubten viele, dass die Zwillingstürme bald wieder aufgebaut würden. Doch zehn Jahre später ist auf Ground Zero erst der halb verkleidete Rohbau eines Wolkenkratzers zu sehen. Ein weiteres Hochhaus wurde gerade begonnen. Das Ensemble hat wenig Ähnlichkeit mit den wuchtigen Twin Towern – und die Kosten für seinen Bau haben sich mehr als verdoppelt.

Allein das erste neue Hochhaus One World Trade Center, lange als Freedom Tower bekannt, wird inzwischen mit 3,3 Milliarden Dollar veranschlagt. Damit ist es das teuerste Bürogebäude Amerikas. Oft wird es "weißer Elefant" genannt, also als unnötiges Luxusobjekt bezeichnet, zuletzt von Eliot Spitzer, dem früheren Gouverneur von New York. Es soll erst 2013 fertiggestellt sein. Insgesamt werden am Ground Zero mindestens elf Milliarden Dollar verbaut. Das Finanzierungsrisiko hat der Bauträger Larry Silverstein auf die öffentliche Hand abgewälzt. Der Staat zahlt nicht nur den Bau, er subventioniert auch die Gewerbemieter des Hochhauses kräftig.

Die Port Authority of New York and New Jersey , die das World Trade Center finanziert, will sich nun an den Pendlern schadlos halten. Die Hafenbehörde will die Straßen- und Brückenmaut in zwei Stufen um 50 Prozent anheben, um Bauverzögerungen beim World Trade Center zu vermeiden. Das trifft Hunderttausende Autofahrer, die von New Jersey nach Manhattan fahren. Betroffen sind auch Nutzer des Path-Zuges, der von Manhattan nach New Jersey fährt und ebenfalls von der Port Authority betrieben wird. Der Behörde unterstehen auch die Flughäfen JFK, Newark und La Guardia – vielleicht wird sie auch die Gebühren für deren Nutzung erhöhen. Zudem könnten andere Bauvorhaben zugunsten des World Trade Centers zurückgestellt werden, darunter ein neuer Bahnhof in Manhattan.

Der private Bauträger konnte die Kosten nicht tragen

Eigentlich wäre Larry Silverstein verpflichtet gewesen, das World Trade Center wieder aufzubauen. Silverstein, ein mittelständischer Immobilienunternehmer, hatte nur sieben Wochen vor dem 11. September 2001 das World Trade Center von der Hafenbehörde gepachtet, der das Grundstück gehört. Der Pachtvertrag verpflichtete ihn, das zerstörte Gebäude wieder aufzubauen. Doch er hatte den gerade erst gepachteten Komplex nur provisorisch versichert, zum Zeitwert von etwa 4,5 Milliarden Dollar. Damit konnte er den Wiederaufbau nicht finanzieren. Zumal der damalige Gouverneur von New York, George Pataki, als Bauherr eines neuen World Trade Centers in die Geschichte eingehen wollte und dazu einen Wettbewerb ausgeschrieben hatte. Den gewann Daniel Libeskind mit einem Ensemble aus fünf Hochhäusern, darunter der damalige Freedom Tower, sowie einem Bahnhof, einem Theater, einem Museum und einem Memorial.

Silverstein fing nun einen Rechtsstreit mit seinen Versicherungen an, der sich über Jahre hinziehen sollte. Pataki war das entweder nicht klar, oder er glaubte, das Problem werde sich bald lösen. Er hielt an Silverstein fest, statt ihn aufzufordern, entweder sofort zu bauen oder vom Vertrag zurückzutreten. Der Immobilienunternehmer engagierte eine Phalanx von Anwälten und Beratern, die sich nicht nur in endlosen kostenträchtigen Streitereien mit der Port Authority verstrickten, sondern auch jeden, der es hören wollte, davon überzeugten, dass Silverstein praktisch in den Startlöchern stehe. 

Heute, zehn Jahre später, ist auf Wunsch von Silverstein SOM aus Manhattan das verantwortliche Architektenbüro. Dessen Design von One World Trade Center hat wenig mit der Reminiszenz an die Freiheitsstatue zu tun, die Libeskind gewollt hatte. Das Gebäude, das erst mit einer, dann mit zwei Milliarden Dollar veranschlagt wurde, wird zudem nun mehr als drei Milliarden Dollar kosten. Das liegt auch daran, dass die New Yorker Polizei viele Sicherheitsauflagen durchgesetzt hat, etwa zusätzliche Aufzugspaare und Treppenhäuser sowie eine fünfstöckige fensterlose Lobby mit der stahlbetonfesten Solidität eines Atombunkers. 2006 gab Silverstein die Verantwortung für die Finanzierung an die Port Authority ab, die dann mit dem Tiefbau anfing.