Die Bundesregierung zeigt sich grundsätzlich offen für eine Debatte über eine Abtrennung des Investment-Bankings vom klassischen Bankgeschäft. "Darüber sollte auf internationaler Ebene intensiv diskutiert werden", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Es gebe bereits interessante Ansätze wie den Vorschlag einer unabhängigen Bankenkommission aus Großbritannien für eine flexible Regelung.

In der Debatte geht es darum, wie es gelingen kann, das Filialgeschäft für Privatkunden und das Kreditgeschäft für Firmen besser vor Risiken abzuschirmen. Das Investment-Banking gilt als besonders riskant und anfällig für Kursschwankungen.

Eine Trennung könnte negative Auswirkungen von Finanzkrisen auf die Realwirtschaft eindämmen. Zuletzt hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel die Debatte aufgegriffen. Auch die Organisation der Industrieländer (OECD) hatte eine Zerschlagung von Großbanken gefordert.

In der schwarz-gelben Koalition rief die Debatte ein gespaltenes Echo hervor. FDP-Fraktionsvize Florian Toncar warf Gabriel vor, "den Demonstranten auf der Straße" hinterherzurennen. In der Frankfurter Rundschau verwies er auf die Pleite der reinen Investment-Bank Lehman Brothers in den USA, die 2008 eine Finanzkrise auslöste.

Der CDU-Finanzexperte Klaus-Peter Flosbach sagte: "Wir brauchen keine Holzhammer-Vorschläge, sondern bessere Regulierung." Der FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke zeigte sich hingegen offen für eine Neuordnung. Dabei dürfe es aber nicht um eine Zerschlagung gehen, sondern um eine Trennung der Geschäftsbereiche, sagte er im Bayerischen Rundfunk.

Auch in den USA hat die Finanzkrise die Debatte über eine solche Trennung neu belebt. Dort war im Zuge der Bankenreform 1933 ein Trennbankensystem eingeführt worden; 1999 wurde die Trennung wieder aufgehoben. Anders als in den angelsächsischen Ländern gibt es in Deutschland traditionell ein Universalbankensystem, das Kredit- und Wertpapiergeschäfte vereint.

Die Linkspartei bezeichnete eine Trennung der Geschäftsbereiche als unzureichend. Die Banken müssten öffentlich-rechtlich organisiert werden, forderte Parteichef Klaus Ernst in Berlin. Der frühere Parteichef Oskar Lafontaine äußerte sich ähnlich. "Wir brauchen Sparkassen statt Zockerbuden", sagte er der Passauer Neuen Presse.

Bundesregierung dämpft Erwartungen an EU-Gipfel

Die Bundesregierung dämpfte zudem die Erwartungen an den EU-Gipfel zur Euro-Schuldenkrise am kommenden Sonntag. Sie rechnet nicht mit dem großen Befreiungsschlag und einer Lösung aller Probleme. "Das sind wichtige Arbeitsschritte auf einem langem Weg", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Dieser Weg werde mit Sicherheit weit bis ins nächste Jahr hineinreichen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe daher darauf verwiesen, dass Träume, am nächsten Montag wäre mit dem Paket alles gelöst und alles vorbei sein, wieder nicht erfüllt würden, sagte Seibert. Man hoffe aber, an diesem Wochenende in Brüssel "ordentlich voranzukommen".