Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die französische Großbank BNP Paribas herabgestuft. Die langfristigen Geschäftsaussichten des Geldinstituts wurden von "AA" auf "AA-" herabgesetzt. "Wir sehen schwächere wirtschaftliche Aussichten für Europa", begründete die Agentur den Schritt. "Wir erwarten wegen dieses schwierigeren wirtschaftlichen Umfeldes geringere Gewinne und höhere Refinanzierungskosten."

Die französischen Banken seien unter schwierigen Umständen verletzlicher, als bisher angenommen. Auch hätten sich die Kredite an Staaten am Rande der Eurozone als riskanter entpuppt, was die Gewinnaussichten der französischen Banken verschlechtere. Seit dem Sommer haben US-Fondsgesellschaften hohe Geldbeträge aus französischen Banken abgezogen. Als größte französische Bank hält BNP Paribas zudem italienische Staatsanleihen in besonders großem Umfang.

Die Ratings der vier französischen Banken BPCE, Crédit Agricole, Crédit Mutuel und Société Générale blieben aber unverändert. Erst am Tag zuvor hatte die kleinere Ratingagentur Fitch vor einer Herabstufung von BNP Paribas gewarnt. Nach Bekanntwerden dieser Warnung war der Aktienkurs am Freitag deutlich gesunken. Das S&P-Rating wurde erst nach Handelsschluss veröffentlicht.

Schäuble für staatliche Bankenhilfe

Mit Blick auf die schwierige Lage der Kreditinstitute hält Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble notfalls auch eine zwangsweise Kapitalzufuhr für schwache europäische Banken für vertretbar. Die Europäer müssten "klare Maßnahmen" ergreifen, um eine Ausbreitung der Euro-Krise zu verhindern. "Dazu gehört, dass alle systemrelevanten Banken mit dem nötigen Kapital ausgestattet sind." Wenn die Banken die Vorgaben nicht aus eigener Kraft erfüllen könnten, "dann würde ihnen notfalls auch durch die Staaten geholfen". Schäuble äußerte sich "sehr zuversichtlich", dass beim EU-Gipfel am 23. Oktober alle erforderlichen Entscheidungen zur Euro-Krise getroffen würden. Vertreter mehrerer Banken, darunter auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, hatten sich gegen Pläne für eine Erhöhung der Eigenkapitalquote von Banken ausgesprochen.

Auf eine mögliche Erhöhung der Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) angesprochen, sagte Schäuble: "Ich glaube, der IWF hat genügend Mittel, um seine Aufgaben zu erfüllen." Die Europäer müssten ihre Probleme im wesentlichen selbst lösen. Schäuble hatte zuvor mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gesprochen, bevor am Abend das zweitägige Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) begann.

Frankreichs Regierung unterstützte die Forderung von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nach einer höheren Eigenkapitalquote. "Wo Rekapitalisierungsbedarf besteht, müssen wir dafür sorgen, dass rekapitalisiert wird", sagte auch der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker. Die Eigenkapital-Quote beschreibt das Verhältnis vom Kapital einer Bank zu ihren risikobehafteten Geschäften, also zu vergebenen Krediten und Geldanlagen.

Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Andreas Schmitz, sprach sich gegen die zwangsweise Rekapitalisierungen von Finanzinstituten aus. "Zwangsrekapitalisierungen lösen die politische Vertrauenskrise nicht", sagte Schmitz. Sie würden vielmehr für zusätzliche Unruhe an den Märkten sorgen.