Die mit ihrem Griechenland-Engagement ins Schlingern geratene Bank Dexia wird verstaatlicht. Belgien will den belgischen Teil der Bank zu 100 Prozent übernehmen. Das teilte Ministerpräsident Yves Leterme am frühen Morgen nach einer nächtlichen Krisensitzung in Brüssel mit. Für die Übernahme der Dexia Banque Belgique will der belgische Staat seinen Angaben zufolge vier Milliarden Euro zahlen, dazu kommen Garantien in Höhe von 54 Milliarden Euro für risikoreiche Wertpapiere.

Der Preis sei "angemessen", erklärte Finanzminister Didier Reynders. Die belgische Regierung wolle die Bank nicht für immer behalten, sich aber auch nicht schnell wieder zurückziehen. Es gehe darum, den "Fortbestand" der Bank zu sichern. Das Geld der Bankkunden sei auf ihren Konten "in Sicherheit", sagte Leterme nach der Kabinettssitzung.

Das erste Opfer der Euro-Krise

Dexia ist damit das erste Banken-Opfer der Euro-Krise. Das Institut ist der größte Kreditgeber der Gemeinden, Städte und Regionen in Frankreich. Auf französischer Seite könnten die beiden staatlichen Banken Caisse des Dépôts und Postbank die Kredite über 70 Milliarden Euro übernehmen, die Dexia den französischen Kommunen gewährte. Am Schicksal des französischen Arms hängt auch die Deutschland-Tochter Dexia Kommunalbank in Berlin.

Die Regierungen von Frankreich, Belgien und Luxemburg hatten nach eigenen Angaben bereits am Sonntagabend eine Lösung für die Zukunft der schwer angeschlagenen Bank gefunden. Der Vorschlag sollte zunächst dem Aufsichtsrat der Bank vorgelegt werden.

90 Milliarden sollen in einer Bad Bank gelagert werden

Faule Wertpapiere über 90 Milliarden Euro sollen in eine sogenannte Bad Bank ausgelagert werden, wie das belgische Finanzministerium mitteilte. Dafür wird Dexia Staatsgarantien von den drei Ländern erhalten. Belgien wird davon 60,5 Prozent aufbringen, Frankreich 36,5 Prozent und Luxemburg drei Prozent.

Das Geldinstitut war bereits vor drei Jahren zu Beginn der Finanzkrise in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Damals hatten Frankreich, Belgien und Luxemburg das Institut mit 6,4 Milliarden Euro gestützt und ihm öffentliche Garantien in Höhe von 150 Milliarden Euro gegeben. Seitdem halten Frankreich und Belgien Anteile an Dexia.