Es klingt fast ein bisschen magisch. Wird der Krisenfonds EFSF über den Kapitalmarkt gehebelt, dann werden aus einem verfügbaren Euro plötzlich fünf. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble soll genau darüber vor Abgeordneten der Regierungskoalition gesprochen haben – über eine Versicherungslösung, um den Kreditrahmen des EFSF weiter ausweiten zu können, ohne dass darüber noch einmal die nationalen Parlamente entscheiden müssen. Die haben schließlich der jüngsten Erweiterungsrunde teilweise denkbar knapp zugestimmt.

Wie Schäuble sich den Hebel im Detail vorstellt, geht auch aus den Leitlinien zum EFSF hervor, die maßgebliche Abgeordnete in der Nacht zum Donnerstag aus seinem Ministerium erhalten haben. Klar ist jedoch, dass eine weitere Erhöhung des EFSF politisch kaum durchsetzbar ist. Sie könnte aber nötig werden: Momentan trauen die Akteure an den Märkten der Schlagkraft des EFSF nicht. Sein Kreditvergabevolumen von 440 Milliarden Euro könnte nicht ausreichen, falls noch ein Land ins Schlingern gerät, Italien oder Spanien etwa, gegen die auf den Märkten spekuliert wird . Zumal der EFSF künftig auch Staatsanleihen von Krisenstaaten aufkaufen und ihnen noch flexibler Geld bereit stellen soll.

Also soll der Fonds gehebelt werden – und zwar über Versicherungen: Der EFSF gäbe dann einem Staat nicht direkt einen Kredit. Stattdessen versicherte er etwa 20 oder 30 Prozent der emittierten Staatsanleihen. Der Fonds verlöre also bei einem Zahlungsausfall nicht die gesamte Summe, sondern nur etwa ein Fünftel; seine Schlagkraft wäre theoretisch fünfmal so hoch wie bei einer normalen Kreditvergabe.

Gleichzeitig würde die Anleihe für Anleger attraktiv, weil sie sicherer wäre als nicht versicherte Bonds. So mobilisierte der Fonds privates Kapital – das wäre der Hebel – und der ausgebende Staat müsste weniger Zinsen zahlen. Das effektive Volumen des EFSF bliebe indes gleich. Ebenso die Garantiegrenzen der einzelnen Staaten, in Deutschlands Fall 211 Milliarden Euro. Das Risiko für die Geberländer bliebe begrenzt. Das ist zumindest die Hoffnung.

Sie könnte sich nicht erfüllen, sagt Ansgar Belke, Forschungsdirektor für Internationale Makroökonomie am Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW). Ihm zufolge könnte das Verlustrisiko auch unter einem Hebel für den EFSF steigen. Den Investoren würde ein Teil des Risikos abgenommen; diese Risiken akkumulierten. "Es bleibt eine Basis, die toxisch ist", sagt Belke. Besonders gefährlich sei das geplante Vorgehen für Frankreich, den zweitgrößten Kreditgeber, der ohnehin schon wankt; unter anderem unter der Last seiner angeschlagenen Banken.

Wenn zu den Problemen des Landes noch die steigende Wahrscheinlichkeit einer Haftung hinzukomme, bestehe die Gefahr, dass Frankreich sein AAA-Rating verliere und so die Qualität des gesamten Rettungsfonds mindere. Langfristig könnte es ganz als Garant ausfallen, fürchtet Belke, indem es aus dem EFSF austritt. Das würde dessen Volumen verringern und das Vertrauen in die Stabilität der Euro-Zone weiter belasten.