Wer in der kommenden Woche mit dem Flugzeug reisen will, der muss sich auf Behinderungen einstellen. Die Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Flugsicherung (DFS) und ihren Angestellten sind am Freitagabend erfolglos abgebrochen worden. Nun droht der erste bundesweite Streik der Fluglotsen in der Nachkriegsgeschichte.

Es gebe keine Aussicht auf eine Einigung, sagte ein Sprecher der Fluglotsen-Gewerkschaft GdF. Die Verhandlungen seien an vielen Punkten gescheitert. Die ersten Streiks könnten nach Gewerkschaftsangaben möglicherweise am Mittwoch stattfinden, wahrscheinlich für mehrere Stunden. Zunächst werde die Tarifkommission am Montag über das weitere Vorgehen beraten und damit auch über einen möglichen Ausstand, sagte der Sprecher. Die Arbeitgeberseite will am Montag ebenfalls über das weitere Vorgehen entscheiden – auch über eine mögliche Klage vor dem Arbeitsgericht.

Der Konflikt zwischen Lotsen und DFS schwelt seit Monaten. Die Lotsen fordern von der DFS eine Gehaltserhöhung um 6,5 Prozent über zwölf Monate. Das Unternehmen bietet eine Erhöhung der Tarifgehälter ab 1. August um 3,2 Prozent plus eine sofortige Einmalzahlung in Höhe von 0,8 Prozent des Bruttojahresgehalts. Ab 1. November 2012 würden die Gehälter um weitere zwei Prozent, mindestens aber in Höhe der Inflationsrate steigen.

Die Arbeitgeberseite spricht von "Eklat"

Doch den Gewerkschaften geht es nicht nur ums Geld: Wegen Personalmangels müssen Fluglotsen viel zu viele Überstunden machen. Eines Tages könnte das auf Kosten der Sicherheit gehen, warnt die GdF. 

Die zwölfstündigen Verhandlungen am Freitag scheiterten laut Arbeitgeberseite an der Gewerkschaftsforderung nach umfangreichen Beförderungen innerhalb der Lotsenschaft. Das hätte aber bedeutet, dass zahlreiche Mitarbeiter nicht nur die bereits vereinbarte Gehaltserhöhung von 5,2 Prozent bekommen hätten, sondern durch die Beförderung noch eine weitere deutliche Anhebung ihres Gehaltes erlangt hätten, erklärte die DFS. Sie sprach von einem "Eklat".

Die GdF vertritt die rund 5.500 tariflich angestellten Mitarbeiter der DFS. Deren Aufgabe ist es, den Flugverkehr in Deutschland zu überwachen. Mitte Juni waren die ersten Tarifverhandlungen zwischen Lotsen und Arbeitgebern gescheitert. Damals war ein Streik abgewendet worden, weil die Arbeitgeberseite Schlichtungsgespräche einberufen hatte. 

Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa äußerte sich besorgt über einen möglichen Streik der Fluglotsen. Der Ausstand würde nur unbeteiligte Dritte treffen, sagte eine Unternehmenssprecherin: "Alle entstehenden Kosten würden an die Fluggesellschaften weitergereicht werden." Die Deutsche Flugsicherung selbst könne als Monopolist für diese Leistungen in Deutschland durch einen Streik der Gewerkschaft wirtschaftlich nicht geschädigt werden.

 Bodenpersonal plant ebenfalls Proteste

Fluglotsen zählen zu den Top-Verdienern.  Auch beim vergleichsweise schlechter bezahlten Personal der Bodenabfertigung regt sich Widerstand. Am Montag wollen die Beschäftigten an zahlreichen deutschen Flughäfen Betriebsversammlungen abhalten. Dadurch könnte es zu Verzögerungen bei der Abwicklung der Flüge kommen. Allein am größten deutschen Flughafen in Frankfurt werden voraussichtlich 2.000 Beschäftigte der Bodenverkehrsdienste an der mehr als einstündigen Veranstaltung teilnehmen, wie ein Sprecher von ver.di Hessen sagte.

Für Aufregung unter den Beschäftigten sorgt auch ein Vorschlag der EU-Kommission für mehr Wettbewerb bei der Bodenabfertigung. "Wir befürchten einen weiteren Lohnabbau sowie eine Ausweitung der Zeit- und Leiharbeit, wenn diese Vorstellungen Gesetz werden", erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Auch die Flughafen-Betreiber sind wenig begeistert von den Brüsseler Plänen.