In Athen ist es während der Massenproteste gegen die Sparmaßnahmen der Regierung zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Polizei setzte in direkter Nähe des Parlaments Tränengas und Blendgranaten gegen vermummte Menschen ein, die die Polizisten zuvor mit Brandsätzen und Steinen beworfen hatten. Über dem Syntagma-Platz hing dicker Rauch. Den Demonstranten war es erstmals gelungen, bis zu den Stufen am Eingang des Parlamentsgebäudes vorzudringen. Die Stimmung auf dem Platz war aufgeheizt, Teilnehmer sprachen von Feindseligkeiten auch unter den Demonstranten.

 Der Massenauflauf in Athen war Teil der größten Proteste seit Beginn der griechischen Schuldenkrise. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich am Mittwoch über 125.000 Menschen an den Kundgebungen in Athen, Thessaloniki, Patras und Heraklion. Andere Quellen geben an, dass allein in Athen 200.000 Menschen demonstrierten. Der Nachrichtensender Skai sprach von der "Mutter aller Streiks". Ministerpräsident Giorgos Papandreou warnte die Streikenden, wenn sie das Land "zersetzen", werde es "kein Geld für Löhne und Renten" geben. 

Die Gewerkschaften haben zudem zu einem 48-stündigen Generalstreik aufgerufen, der bis Donnerstag andauern soll. Das öffentliche Leben steht bereits jetzt in weiten Teilen Griechenlands still. Zu den Streikenden zählten Fluglotsen, Busfahrer, Taxifahrer, Beamte, Ärzte, Lehrer, Tankstellenpächter, Seeleute und Bäcker.

Der griechische Luftraum blieb über Stunden für alle kommerziellen Flüge von und nach Griechenland geschlossen. Viele Flüge wurden verschoben oder fielen aus. Auch mehrere Dutzend Flüge aus und nach Deutschland waren betroffen. Die deutschen Reiseveranstalter hatten sich mit Sonderflugplänen vorbereitet.

Der Protest richtet sich gegen die für Donnerstag im Parlament geplante Verabschiedung eines neuen Sparpakets, das unter anderem die schrittweise Entlassung von 30.000 Staatsbediensteten vorsieht. Zugleich sollen die Gehälter und Löhne von Beamten und Beschäftigten des öffentlichen Diensts um weitere 20 Prozent gekürzt sowie neue Steuern erhoben werden.

Finanzminister Evangelos Venizelos warnte, wenn das Parlament das Gesetz nicht billige, werde Griechenland zu einem  "Protektorat" seiner Geldgeber. Die regierenden Sozialisten verfügen über eine knappe Mehrheit von 154 von 300 Sitzen.