Aus Protest gegen den Sparkurs der Regierung haben griechische Arbeitnehmer am Montag mit massiven Streiks begonnen, die sie im Laufe der Woche noch verstärken wollen. Wegen des Ausstands seien die Inseln des Landes vollständig vom Festland abgeschnitten, teilte die griechische Regierung mit. Die Seeleute-Gewerkschaft Pemen kündigte an, dass es auch Probleme im Fährverkehr zwischen Griechenland und Italien geben werde. Mitte der Woche könnte der Luftverkehr des Landes erneut zusammenbrechen.

Die Müllabfuhr streikte den zehnten Tag in Folge. Müll lag in fast allen Stadtteilen Athens, obwohl die Regierung Privatunternehmen damit beauftragt hatte, die Abfallberge zu beseitigen. Bürgermeister Giorgos Kaminis schlug vor, das Militär zur Müllabfuhr einzusetzen. Ärzte der staatlichen Versicherung (IKA) waren am Montag ebenso im Ausstand wie Beamte des Finanzministeriums und der Steuerämter sowie Zöllner. Die Streikenden protestieren gegen geplante Kürzungen ihrer Gehälter sowie gegen Entlassungen.

Die Lage soll sich in den kommenden Tagen verschärfen: Für Mittwoch und Donnerstag haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände des staatlichen und privaten Bereichs (GSEE und ADEDY) zu massiven Streiks aufgerufen. Das könnte den Flugverkehr über Griechenland zum Erliegen bringen. Die Fluglotsen wollen am Dienstag bekanntgeben, ob der griechische Luftraum am Mittwoch und Donnerstag vollständig oder nur für einige Stunden geschlossen wird. Die Bus- und U-Bahnfahrer sowie die Taxieigner wollen ab Mittwochmorgen für 48 Stunden streiken. Am Dienstag soll es keine Nachrichten geben, weil die Journalisten die Arbeit für 24 Stunden niederlegen wollen.

Hilfskredit soll ausgezahlt werden

Am Donnerstag will das Parlament in Athen ein neues Gesetz billigen, mit dem erstmals seit 100 Jahren Entlassungen von Staatsbediensteten ermöglicht werden sollen. Zudem sollen die Löhne und Gehälter von Beamten und anderen Staatsbediensteten um weitere 20 Prozent gekürzt und weitere Steuern erhoben werden. Die regierenden Sozialisten verfügen über eine knappe Mehrheit von 154 Abgeordneten von 300 Parlamentariern.

Die Griechen hätten große Anstrengungen unternommen, um die Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission von ihren Sparanstrengungen zu überzeugen, sagte der Leiter der EU-Taskforce für Griechenland, Horst Reichenbach. Er erwarte deshalb die Auszahlung der letzten Tranche aus dem ersten Hilfspaket. Dieser Schritt werde Griechenland für die nächsten Monate stabilisieren.

Die von Reichenbach geleitete Taskforce unterstützt Griechenland bei der Umsetzung der Spar- und Reformprogramme. Die Troika wird im Lauf der Woche ihren Abschlussbericht für die Auszahlung der Tranche vorlegen. Auf seiner Grundlage entscheiden die Finanzminister der Eurostaaten voraussichtlich am Freitag über die Freigabe des Geldes.