Thomas Sargent hat zusammen mit Robert Lucas, der bereits 1995 den Nobelpreis erhielt, den Keynesianismus vom Sockel gestoßen. Die Makro-Modelle, die Lucas und Sargent propagierten, suggerierten vor allem eins: Der Staat hat wenig Handlungsspielraum, um mit Geld- oder Konjunkturpolitik die wirtschaftliche Entwicklung positiv zu beeinflussen.

Kritiker werfen diesen Modellen heute Realitätsferne vor – so gibt es in den Makro-Modellen von Sargent zum Beispiel überhaupt keinen Bankensektor. Denn die Forscher unterstellten, dass das Finanzsystem stets reibungslos funktionierte. Zudem nahmen sie an, dass sich alle Akteure stets vollständig rational verhalten.

Sargents Kernkritik an Keynes lautete: Die makroökonomischen Zusammenhänge seien in der keynesianischen Forschung nicht stringent aus Annahmen über das wirtschaftliche Verhalten der Verbraucher und Unternehmer abgeleitet. Die Modelle der Keynesianer basierten auf Ad-hoc-Annahmen über das ökonomische Verhalten der Akteure.

Sargent und seine Mitstreiter propagierten dagegen die so genannte Mikro-Fundierung makroökonomischer Modelle- gesamtwirtschaftliche Ergebnisse müssten aus den Aktionen der einzelnen Akteure hergeleitet werden. Dabei müssten vor allem die Erwartungen, die die Menschen an die Zukunft haben, berücksichtigt werden. Sargent und Lucas postulierten dabei, dass die Menschen ihre Erwartungen rational bilden und sich stets alle verfügbaren Informationen in den Erwartungen niederschlagen.

Wirtschaftliche Entscheidungen sollten nur mit ökonomischem Kosten-Nutzen-Kalkül erklärt werden. Andere Faktoren - zum Beispiel kulturelle Vorlieben oder Fairness-Überlegungen - sollten ausgeklammert werden. Zudem wird in den Makro-Modellen angenommen, dass sich Menschen rational und egoistisch verhalten. Preise und Löhne, so eine weitere Prämisse, seien flexibel und passten sich schnell an. Zudem liegt diesen Modellen die Grundannahme zugrunde, dass es ein eindeutiges stabiles Gleichgewicht in der Gesamtwirtschaft gebe. In wichtigen Punkten lehnt sich diese Denkschule an die vor Keynes gängige, klassische Theorie an und wird daher auch "Neoklassik" genannt.

Die Forschung von Christopher Sims ist weniger stark politisch aufgeladen. Er hat Anfang der 80er Jahre eine Methode entwickelt, um Ursache und Wirkung bei wirtschaftspolitischen Maßnahmen wie zum Beispiel Konjunkturprogrammen oder Leitzinsänderungen klarer messen zu können. Die Modelle von Sargent und Co. führten zu Politikempfehlungen, die allen wichtigen keynesianischen Positionen diametral widersprechen. Staatliche Interventionen, so der Tenor der neoklassischen Makroökonomie, sind weitgehend wirkungslos.

Menschen, die in perfekten Märkten rational ihren Nutzen maximieren, passen ihre Erwartungen und ihr Verhalten an die Wirtschaftspolitik an. Dadurch sinke langfristig der Wirkungsgrad dieser Politik erheblich. Expansive Geldpolitik, so Friedman, könne zum Beispiel nur solange die Beschäftigung erhöhen, wie die Menschen nicht mit einer höheren Inflation rechneten. Sobald sie schnellere Geldentwertung erwarten, forderten sie höhere Löhne - dies dämpfe dann die Beschäftigung.