Um auf mögliche Ausfälle nach einem Schuldenerlass für Griechenland vorbereitet zu sein, sollen die europäischen Banken ihr Kapital um rund 100 Milliarden Euro aufstocken. Die Finanzminister der 27 EU-Staaten stimmten laut Informationen aus Teilnehmerkreisen einem entsprechenden Vorschlag der Europäischen Bankenaufsicht EBA zu. Nach bisherigen Plänen sollen die Banken mindestens bis Mitte 2012 Zeit bekommen, um die höheren Anforderungen zu erfüllen.

Die Institute sollen sich das Kapital zunächst selbst beschaffen. Falls das nicht klappt, könnten sie staatliche Hilfe erhalten. Erst wenn ein Land das nicht leisten kann, bleibt als dritte Lösung der Euro-Rettungsschirm. 

Angesichts der skeptischen Einschätzung der Schuldentragfähigkeit durch die sogenannte Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Interationalem Währungsfonds gilt ein drastischer Schuldenschnitt für Griechenland als wahrscheinlich. Die Finanzminister sind sich einig, dass es "eine erhebliche Anhebung des von den Banken zu übernehmenden Beitrags" geben solle, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker.

Im Gespräch sind mehrere Szenarien. Zudem wird mittlerweile statt der im Juli vereinbarten 21 Prozent über einen mehr als doppelt so hohen Forderungsverzicht gesprochen. "Man sagt, in der Gegend von 50 bis 60 Prozent", sagte Juncker im luxemburgischen Fernsehen RTL. Die Beteiligung der Institute müsse aber freiwillig sein. "Aber wenn sie es nicht tun, dann müsste man zu einer obligatorischen Lösung kommen", sagte Juncker. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich für einen Schuldenschnitt von mindestens 50 Prozent aus.

Kritik am deutschen Krisenmanagement

Gleichzeitig kritisierte Juncker das deutsche Krisenmanagement."Das Organisationstempo in Berlin ist langsamer als in den anderen Hauptstädten", sagte Luxemburgs Regierungschef dem Spiegel. Gerade der Parlamentsvorbehalt, den der Bundestag jüngst nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts beschlossen hatte, sei schwierig. "Der Bundestag kann nicht alles bis ins Detail vorher beschließen, weil manchmal auf den Gipfeln bis zuletzt verhandelt wird", sagte Juncker. Auch wenn der Bundestag sein Budgetrecht ausüben wolle, dürfe dies nicht dazu führen, "dass die EU nicht in der gebotenen Schnelligkeit reagieren kann".

Vor dem EU-Gipfel wuchs der Druck vor allem auf Deutschland und Frankreich, Differenzen im Ringen in der Euro-Rettung zu beenden. Beim Gipfeltreffen am Sonntag werden die Staats- und Regierungschefs aller 27 EU-Staaten zusammenkommen, es folgt dann eine Runde mit den Spitzen der 17 Eurostaaten. Mit endgültigen Beschlüssen zur Absicherung des Euro wird aber erst am Mittwoch gerechnet, wenn sich Vertreter der 17 Eurostaaten erneut treffen.

Vom Euro-Gipfel twittert Wirtschaftsredakteur Philip Faigle unter zeitonline_wir.