Die Experten der Geldgeber für die Rettung Griechenlands haben ihre Kontrollen beendet. Am Nachmittag soll es eine erste Erklärung der Mission von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) geben, berichteten griechische Medien. Die sogenannte Troika der internationalen Kontrolleure werde voraussichtlich einer Auszahlung weiterer Kredite für das Land zustimmen, hieß es. Dennoch gebe es auch Kritik am Reformtempo der Regierung in Athen.

Der offizielle Bericht der Troika soll den zuständigen Behörden vor dem nächsten EU-Gipfel am 23. Oktober vorgelegt werden, hieß es aus Kreisen des Finanzministeriums. Die Behörde von Minister Evangelos Venizelos wollte die Berichte dazu weder dementieren noch bestätigen.

Die Kontrolleure sollen festgestellt haben, für Griechenland sei das Ziel nicht erreichbar, das Haushaltsdefizit auf 7,6 Prozent der Wirtschaftsleistung bis zum Jahresende zu senken. Das berichtete die konservative Athener Zeitung Kathimerini. Stattdessen gehen die Experten von neun Prozent aus. Zudem sollen sie die Regierung in Athen aufgefordert haben, den verlangten Stellenabbau in den Behörden und die Privatisierungen staatlicher Betriebe weiter voranzutreiben.

Vom Bericht der Troika hängt die Auszahlung der dringend benötigten Kredithilfen für Griechenland in Höhe von acht Milliarden Euro ab. Sollte die Zahlung nicht bis Mitte November erfolgen, geht Athen nach Angaben der Regierung das Geld aus. Die Troika sollte auch einschätzen, ob die griechischen Schulden unter den jetzigen Bedingungen der Hilfeleistungen überhaupt noch tragbar sind.

Juncker schließt Schuldenschnitt nicht aus

Vor der Vorstellung des Troika-Berichts schloss Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker einen Schuldenschnitt von mehr als 60 Prozent für Griechenland nicht aus. Der Staatsbankrott eines Landes der Euro-Zone müsse mit "aller Gewalt verhindert werden", sagte der luxemburgische Ministerpräsident im österreichischen Fernsehen. Auf die Frage, ob innerhalb der EU über einen Schuldenschnitt für Athen in Höhe von 50 bis 60 Prozent diskutiert werde, sagte Juncker: "Wir reden über mehr." Zugleich mahnte er an, dass eine solche Maßnahme nicht ausreiche, um die derzeitige Euro-Krise in den Griff zu bekommen.

Der Umgang mit der griechischen Schuldenkrise sei "nicht optimal" gelaufen, sagte Juncker weiter. Politische Entscheidungsträger hätten angesichts der Reaktion der globalen Finanzmärkte auf die Lage in Griechenland ihrerseits "nicht schnell genug" reagiert. Juncker hatte vergangene Woche gesagt, er gehe davon aus, dass Griechenland alle Bedingungen erfüllen werde und die Troika zu einem positiven Urteil kommen werde.