Frage: Herr Yunus, die Regierung in Ihrem Heimatland Bangladesh hat Sie aus der Grameen Bank hinausgedrängt. Sind Sie seitdem arbeitslos geworden?

Muhammad Yunus: Ganz im Gegenteil: Ich habe immer noch genug zu tun. Ich engagiere mich intensiv bei den Social-Business-Projekten. Wir gründen weiterhin neue Unternehmen, außerdem werbe ich für neue Projekte. Dazu gehört auch, dass man die Grundprinzipien dieser Art des Wirtschaftens immer wieder erklärt – wie etwa jetzt bei meiner Reise nach Europa.

Frage: Und während Sie jetzt hier in Wien sitzen, geht es mit der Grameen Bank zu Hause in Bangladesh zu Ende?

Yunus: Sie sprechen ein echtes Problem an. Die Zukunft unserer Mikrofinanz-Bank macht mir echte Sorgen. Die Regierung hat sich in die Bank hineingedrängt, weil sie behauptet, es sei ein staatliches Institut. Dabei halten private Anteilseigner mehr als 90 Prozent, nur ein kleiner Rest wird vom Staat gehalten.

Frage: Wenn Sie noch dabei wären, gäbe es keine Probleme mit der Bank?

Yunus: Auch ohne die Einflussnahme der Regierung würde ich jetzt nicht mehr an der Spitze der Bank sein, weil man mit 70 Jahren dann doch den Schlussstrich ziehen muss. Aber ohne die Einflussnahme der Regierung wäre die Unabhängigkeit der Bank viel eher gewährleistet.

Frage: Weshalb interessiert sich Ihre Regierung so stark für die Grameen Bank?

Yunus: Es ist einfach ein interessantes Institut, das eine große Bedeutung in meinem Land hat. Die Grameen Bank hat Millionen von Kunden, das lockt den Staat an.

Frage: Sie werben jetzt in Europa für Social Business. Kann man hier am ehesten Unternehmen für diese Projekte gewinnen?

Yunus: Frankreich war das erste Land, das sich dafür eingesetzt hat. Dann hat es nicht lange gedauert und Deutschland kam dazu. Die Otto-Gruppe, BASF und Adidas sind die bekanntesten Beispiele aus der Bundesrepublik. Man kann hier also einiges erreichen. Aber auch in anderen Teilen der Welt wie Japan sind Unternehmen sehr aktiv in dieser Sache.