Frage: Aus Schwellenländern wie etwa Indien kommt weniger für das Social Business?

Yunus: Sie zielen mit Ihrer Frage auf die Einkommensverhältnisse ab. Aber ganz ehrlich, Geld spielt bei den Social-Business -Projekten eine untergeordnete Rolle. Es geht viel mehr darum, dass man eine Idee hat, dass es Klick macht. Und dann muss man diese Idee einfach nach ökonomischen Prinzipien umsetzen. Der Ein-Euro-Schuh von Adidas etwa war so eine Idee, die in die ärmeren Länder passt. Außerdem muss ich Ihnen widersprechen: Es sind viele große indische Konzerne dabei. Diese Unternehmen sind in Europa aber einfach nicht bekannt. Eines, das man hier auch kennt, ist ArcelorMittal, der große Stahlkonzern.

Frage: Sie sprechen von ökonomischen Prinzipien. Aber eine Regel ist doch bei Ihnen ausgesetzt: Es gibt kein Gewinnstreben.

Yunus: Das stimmt in einer gewissen Hinsicht. Mit unseren Projekten in den armen Ländern können private Personen keine Gewinne machen, die einzelnen Unternehmen jedoch schon. Die Gewinne bleiben aber auf jeden Fall in den Projekten und werden nicht herausgezogen. Außerdem bekommen Geldgeber ihre Anfangsinvestitionen zurück.

Frage: Das klingt alles sehr schön und nobel. Aber erleben wir nicht gerade, dass bei den Mikrofinanz-Instituten kräftig abkassiert wird?

Yunus: Das sind einzelne Institute wie etwa die SKS-Bank in Indien. Damit stirbt die Idee nicht. Das Institut ist an die Börse gegangen. Wer sich für diesen Schritt entscheidet, der spricht sich automatisch gegen die Prinzipien des Social Business aus. Deshalb kritisieren wir auch solche Institute, sie stehen nicht für unsere ursprüngliche Idee.

Frage: Mikrokredite sind in vielen Ländern ziemlich unkoordiniert vergeben worden. Es gibt Schuldner, die haben sich von unterschiedlichen Banken gleich einmal zehn Kredite geholt…

Yunus: Ja, da haben Sie Recht, das ist ein Problem, aber ein lösbares. Dabei geht es um die Frage der Bankenaufsicht, der Kontrolle und der Regulierung. Wenn man das richtige System schafft, dann lässt sich die Kreditvergabe problemlos kontrollieren und in die richtigen Bahnen lenken. Das geht dann nicht nur in reichen Staaten wie in Deutschland, sondern auch in Bangladesh.

Frage: Jetzt haben Sie die Brücke zur Finanz- und Bankenkrise in den westlichen Industriestaaten geschlagen: Die Regulierung muss in Ordnung sein, dann funktionieren die Banken?

Yunus: Genau so. Die Grundprinzipien des Bankgeschäfts müssen eingehalten werden, sonst endet die Branche im Casino. Dazu gehört dann etwa die klare Trennung zwischen Investmentbanken und den klassischen Häusern, die das gewöhnliche Einlagen- und Kreditgeschäft betreiben. Wir müssen zu dieser alten Aufteilung zurück, zum Glück zeichnet sich diese Entwicklung auch gerade in den USA ab.