Erstmals seit Beginn der europäischen Schuldenkrise haben sich Investoren bei einer Auktion deutscher Staatsanleihen deutlich zurückgehalten. Sechs Milliarden Euro wollte der Bund bei der Versteigerung neuer Papiere mit zehnjähriger Laufzeit einnehmen. Die Anleger boten aber nicht einmal 3,9 Milliarden Euro, so dass für 35 Prozent des angebotenen Volumens die Nachfrage fehlte.

Analysten reagierten verschreckt, Euro und Aktienmärkte gerieten unter Druck. Regierung und Europäische Zentralbank bemühten sich, Zweifel an der Fähigkeit Deutschlands zu zerstreuen, sich ausreichend Geld am Kapitalmarkt zu beschaffen.

Am Markt stieg die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen erstmals seit Oktober über die von US-Staatsanleihen. Der Euro fiel auf ein Sechs-Wochen-Tief von 1,3382 Dollar. Der Deutsche Aktienindex Dax gab nochmals nach. "Das ist ein völliges Desaster", sagte Analyst Marc Ostwald von Monument Strategies. 

Ein Grund für das mangelnde Interesse an den Bundesanleihen könnte sein, dass die Banken derzeit wenig Kaufkraft aufbieten können. Viele Geldinstitute versuchen ihre Kapitalausstattung zu verbessern, um sich gegen Risiken in der Schuldenkrise abzusichern. Womöglich bleibt daher wenig Spielraum für langfristige Investitionen wie Papieren mit zehn Jahren Laufzeit.  

"Das Ergebnis der heutigen Auktion spiegelt das äußerst nervöse Marktumfeld wider", sagte ein Sprecher der für das Schuldenmanagement des Bundes zuständigen Finanzagentur. Das bedeute "keinerlei Refinanzierungsengpass für den Bundeshaushalt". Das angestrebte Gesamtvolumen solle nun über Verkäufe am Sekundärmarkt erreicht werden, auf dem Anleihen ebenfalls gehandelt werden. Auch die Regierung spielte den Vorfall herunter. "Es ergibt sich daraus überhaupt kein Problem", sagte auch der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Deutschland profitiert bislang von Status als sicherer Hafen

Zentralbank-Vizepräsident Vitor Constanzio betonte, er hege keine Zweifel an der Refinanzierung. Der Bund muss sich allein in diesem Jahr 275 Milliarden Euro von Investoren leihen, um Defizite zu decken und Altschulden zu bedienen.

Wie auch die Schweiz profitierte der deutsche Staat bisher in der Schuldenkrise von seinem Status als sichere Anlage. Die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik wird wegen vergleichsweise solider Staatsfinanzen von allen großen Rating-Agenturen mit der Bestnote AAA bewertet, womit ein Zahlungsausfall als höchst unwahrscheinlich gilt. Investoren waren deshalb lange Zeit bereit, deutliche Abschläge bei den Renditen hinzunehmen.

Als Gründe für die schwache Nachfrage gilt nicht nur die niedrige Rendite: Sie fiel mit 1,98 Prozent so niedrig aus wie noch bei der Erstemission einer zehnjährigen Bundesanleihe. Viele Investoren sind in diesem Jahr wegen der Schuldenkrise in die als ausfallsicher geltenden Papiere geflüchtet und haben nun so viele Bundesanleihen im Bestand, dass sie keine Zukäufe mehr planen.