Die Krise in Griechenland hat auf dem G-20-Gipfel in Cannes eine willkommene Ablenkung produziert. Das überraschend angekündigte und dann wieder einkassierte Referendum vernebelte die großen Differenzen der 20 mächtigsten Industriestaaten der Welt. Die Krise in dem kleinen südeuropäischen Land konnten gerade Präsidenten großer Staaten wie Brasilien, China und die USA als Schild vor sich hertragen, um keine Konzessionen zugunsten neuer Regeln für die Weltwirtschaft zu machen.

Frankreichs Präsident und Gastgeber Nicolas Sarkozy hatte zwar zuvor eine "Neuordnung der Weltfinanzen", "das Ende der Steuerparadiese" und "strenge Regeln für alle Banken" angekündigt. Diese Reformen sind nun, unter dem Deckmäntelchen der akuten Griechenland-Rettung, verschoben oder nur vorsichtig angetastet worden.

Immerhin werden die Akteure der weltweiten Krise besser überwacht. Systemrelevante Banken sollen so umgebaut werden, dass Steuerzahler nicht mehr für Verluste aufkommen müssten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Konkret müssen weltweit 29 Großbanken, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, künftig mehr Eigenkapital vorhalten. Sogenannte Schattenbanken, also Institute, die zwar wie Banken agieren, aber keiner echten Überwachung unterliegen, sollen jetzt reguliert werden. Einen Handlungsplan dazu wird der Finanzstabilitätsrat (FSB) aber erst Ende 2012 vorstellen.

Die konkreteste Neuerung ist wieder nur eine Reaktion auf die sich verschärfende Krise: Der IWF soll schlagkräftiger werden. Zum einen ist geplant, den Fonds mit zusätzlichen Mitteln auszustatten. Wer künftig wie viel Geld in den IWF und auch den europäischen Rettungsfonds (EFSF) einzahlen wird, ist jedoch noch unklar. Letzterer soll künftig über ein Konto beim IWF verfügen, auf den wiederum seine Mitglieder freiwillig einzahlen können.

Zum anderen soll der IWF kurzfristige Liquiditätskredite ausgeben dürfen, um Länder vorbeugend vor der Ansteckung durch Finanzkrisen zu schützen. Regierungen sollen nach dem Plan bis zu 500 Prozent ihres Kapitalanteils am Währungsfonds ziehen können. Die Liquiditätslinie könnte auch in Europa Anwendung finden und beispielsweise den kriselnden Ländern Spanien und Italien zugute kommen. Unter dem Druck der G 20 will das hoch verschuldete Italien künftig sein Reformprogramm von der Europäischen Union und dem IWF überwachen lassen.