Die Euro-Länder knüpfen die Auszahlung der nächsten Kredittranche an Griechenland an das Ergebnis des geplanten Referendums. Griechenland werde keine weiteren europäischen Mittel bekommen, bis die Unsicherheit beendet sei und das Land zugesagt habe, seine Verpflichtungen gegenüber der Euro-Zone zu erfüllen, sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy auf einem Krisentreffen in Cannes. "Unsere griechischen Freunde müssen sich entscheiden, ob sie ihre Reise mit uns antreten", ergänzte er nach Gesprächen mit hochrangigen EU-Vertretern und dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou. Griechenland wartet derzeit auf die Auszahlung einer nächsten Kredittranche über acht Milliarden Euro.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte zuvor ungewöhnlich deutlich politische Stabilität in dem Land gefordert und mit Konsequenzen gedroht. Ohne die Zustimmung Griechenlands zu dem Plan der EU und des Internationalen Währungsfonds würden sich die Bedingungen für die Bürger verschlechtern, die Folgen seien nicht abzusehen, warnte er. 

Die politisch Verantwortlichen müssten zeigen, dass sie für eine nationale Einheit einträten. Die EU habe ein Hilfsprogramm für das hoch verschuldete Land aufgelegt. "Um diese Maßnahmen zu verankern, ist es ausgesprochen wichtig, Stabilität in dem Land zu haben", sagte Baroso.

Am Abend wurde bekannt, dass die griechische Regierung in dem geplanten Referendum das Rettungspaket zur Abstimmung stellen will, nicht die Frage einer Mitgliedschaft in der Euro-Zone. Dies erklärte ein Regierungssprecher in Athen. Zuvor war unklar, welche Frage den Bürgern im Referendum gestellt werden soll. Als Termin für die Abstimmung ist nach den Worten von Papandreou der 4. oder 5. Dezember im Gespräch.

Bei dem Krisentreffen vor dem G-20-Gipfel in Cannes verlangten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit führenden EU-Politikern zusammen von Papandreou eine Erklärung zur angekündigten Volksabstimmung. Zu dem Treffen waren unter anderen auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, und die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, eingeladen.

Europa müsse "genau wissen, was jetzt erfolgt", mahnte Merkel vor der Sondersitzung. Um die Gipfelbeschlüsse zur Griechenland-Rettung umzusetzen, brauche es "Klarheit" über die kommenden Schritte. "Es wäre hilfreich, wenn so rasch wie möglich Klarheit geschaffen würde, welchen Weg Griechenland gehen möchte", sagte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Nun wird darüber beraten, zu welchem Zeitpunkt das Referendum abgehalten werden kann. Einem Sprecher der griechischen Regierung zufolge könnte es bereits im Dezember stattfinden. Es sei nicht notwendig, alle Details des Hilfsabkommens zu kennen, damit das Volk sich äußern könne: "Die Prinzipien genügen."